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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

Baustelle Familie: Geliebte Ronja

von Michaela Schneider vom 09.11.2018
»Wir haben sehr viel geweint«: In der 26. Schwangerschaftswoche erfährt Gundula Rath, dass ihre Tochter das Downsyndrom und einen Herzfehler hat. Seitdem schreibt sie einen Blog über ihre Gefühle und Gedanken

Ronja liegt in einem blauen Strampler auf dem Wohnzimmersofa und beobachtet aufmerksam ihre Mutter. Wenn Gundula Rath sie anschaut oder streichelt, reagiert das kleine Mädchen sofort, verzieht das Mündchen zum Lachen, gluckst glücklich. »Ob ich mein Kind lieben kann, hat nichts mit einer Behinderung oder einer Krankheit zu tun«, sagt Rath. Ronja ist im Mai dieses Jahres mit dem Downsyndrom und einem Herzfehler zur Welt gekommen.

Als Gundula und ihr Freund Matthias in der 26. Schwangerschaftswoche von der Diagnose erfuhren, brach für sie eine Welt zusammen. Um ihre Trauer, aber auch die vielen Fragen, die sich daraus ergaben, zu teilen, hat die 33-Jährige aus Bayreuth die Internetseite geliebteronja.wordpress.com erstellt. Der Blog ist ein bewegendes Zeugnis eines tiefgehenden persönlichen Prozesses – aber auch eine deutliche Anfrage an den gesellschaftlichen Umgang mit der Diagnose Trisomie 21 und insgesamt an die pränatale Diagnostik.

»Wir haben sehr viel geweint in den letzten Tagen«, schrieb die Schwangere nach der Diagnose. »Weil unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt wird. Weil wir mit dem Schicksal gehadert haben und nicht wahrhaben wollten, dass ausgerechnet uns ›so etwas‹ passiert. Weil wir uns schuldig fühlten, obwohl wir gar nichts hätten beeinflussen können.«

Rath hat mehrere Semester Philosophie studiert und sich schon vor der Schwangerschaft mit bioethischen Fragen auseinandergesetzt. Damals wie heute hat es sie verstört, dass 90 bis 95 Prozent aller Kinder mit Trisomie 21 heute gar nicht erst zur Welt kommen dürfen.

Inzwischen sei ihr Leben so normal, dass es ihr geradezu banal vorkomme, darüber zu bloggen und zu berichten, schreibt sie einige Wochen nach der Geburt auf ihrem Portal. Tatsächlich sieht man hier nun vor allem die Bilder einer ganz gewöhnlichen Familie: Einen bärtigen jungen Vater mit einem bunt bemützten Baby in der Bauchtrage und einer blonden Frau, die sich lachend an die beiden schmiegt.

Dass es so normal sein könnte, schreibt die Bloggerin, hätte sie nicht für möglich gehalten – und die meisten anderen Menschen könnten sich das vermutlich noch weniger vorstellen. Gerade deshalb sucht sie jetzt bewusst die Öffentlichkeit. Immer wenn es um Trisomie 21 gehe – ob in Berichten oder Gesprächen beim Arzt –, nähmen mögliche medizinische und kognitive Probleme der Kinder einen riesigen St

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