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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Durchstarter

von Lena Renner vom 09.11.2018
Bijan Kaffenberger (29) lebt mit Tourette-Syndrom. Für die SPD zieht er nun als Direktkandidat in den hessischen Landtag ein

Bijan Kaffenberger entspricht nicht gerade dem klassischen Bild eines Politikers: Er ist jung, hat Tourette-Syndrom, stammt aus der Arbeiterschicht. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, hat er es geschafft, für die SPD ein Direktmandat bei der Landtagswahl in Hessen zu gewinnen. Damit ist er nun einer der wenigen Menschen mit Behinderung, die in der Politik aktiv sind.

»Es gibt Dinge, die mir schwerer fallen als anderen Menschen«, sagt er. Kaffenberger lebt seit seinem sechsten Lebensjahr mit Tourette. Seine Arme und der Kopf zucken oft unkontrollierbar. Zu diesen motorischen Tics kommen auch vokale Tics, in Form von kleinen Lauten.

Doch der Politiker mit den schwarzen Locken und der auffälligen Brille will sich nicht auf seine Behinderung reduzieren lassen. Für die meisten Alltagsprobleme hat er Lösungen gefunden: Ohne Führerschein fährt er einfach Rad oder Bahn; seine Bahncard 100 nennt er den »Porsche des nachhaltigen Mannes«.

Geboren 1989, wuchs er nach dem Tod seiner Mutter bei den Großeltern auf. Als Kind ging er auf eine »normale« Schule. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften arbeitete er als Referent in Erfurt im Thüringer Wirtschaftsministerium. Nebenbei unterhält der Landtagsabgeordnete noch einen eigenen YouTube-Kanal: Tourettikette. Auf die Idee kam er durch die Teilnahme am Videokanal »Frag ein Klischee«. Dabei reagierte er auf Zuschauerfragen wie: »Wie geht es dir beim Sex?« Oder: »Hast du eigentlich oft Muskelkater?« In seinem eigenen Kanal beantwortet er alle möglichen Fragen, nicht nur zu Tourette. Auch politische Themen behandelt er auf seine eigene humorvolle Weise.

Das Interesse für Politik hat der 29-Jährige früh entwickelt. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er bei der SPD aktiv. Er engagierte sich in seiner Heimatgemeinde Roßdorf im Gemeinderat sowie im Landkreis Darmstadt-Dieburg im Kreistag. »Ich komme selbst aus der Arbeiterschicht und habe als Erster in meiner Familie studiert. Die SPD hat viele Dinge im Programm, die mir am Herzen liegen: Bildung, Chancengleichheit, Inklusion.« Folgerichtig kandidierte Kaffenberger, der sich selbst als sehr heimatverbunden beschreibt, für das Direktmandat im Wahlkreis Darmstadt 2. »Öffentlich reden, Plakate kleben und Fähnchen verteilen – da fühle ich mich in meinem Element!«

Durch den o

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