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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

Das Meer sehen, sich streiten und sich versöhnen

von Birgit Roschy vom 09.11.2018

Kino. Nichts wie weg: Roadmovies haben im deutschen Kino gerade einen Lauf. Nachdem in »Tschick« zwei Jungs im gestohlenen Lada unterwegs waren und in »303« ein potenzielles Liebespaar im Campingbus, zuckeln in »25 km/h« zwei mittelalte Brüder auf Zündapp-Mofas durchs Land. Der Tischler Georg und der Manager Christian treffen nach dreißig Jahren Funkstille erst wieder bei der Beerdigung ihres Vaters aufeinander. Georg, der nie sein Heimatdorf verlassen hat und den Vater bis zuletzt pflegte, und der aus Singapur eingeflogene Christian sind sich so spinnefeind, dass sie sich noch auf dem Friedhof prügeln. Nach einer durchzechten Nacht aber erinnern sie sich an ihre in Teenagerzeiten geplante Deutschlandtour. Spontan beschließen sie, ihren Jugendtraum nachzuholen, setzen sich auf ihre betagten, in der Scheune wartenden Mofas, und fahren los. Kauzigen Gestalten und willigen Frauen begegnen, das Meer sehen, sich streiten und sich versöhnen: Das Rad wird in diesem entschleunigten Roadmovie nicht gerade neu erfunden. Doch auf dem Weg zueinander, vom Schwarzwald über Paderborn bis an die Ostsee, passieren den beiden Brüdern so viele unerwartet witzige und rührende Sachen, dass man ihnen auch einige klischeehafte Momente beim Abhaken ihrer pubertären To-do-Liste verzeiht. In den Nebenrollen glänzen spielfreudige Promis, doch es ist vor allem das Hauptdarstellerduo, das diesem Feelgood-Abenteuer seinen Drive verleiht. Neben Bjarne Mädel überzeugt der Berliner Theaterstar Lars Eidinger in seiner ersten wirklich komischen Rolle. Und wenn die zwei zu Ohrwürmern vergangener Tage wie »Boys don’t cry« von The Cure über die Landstraßen knattern, wird auch die Zuschauerin von ihrem Nostalgie-Trip mitgerissen.

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