Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

»Musik kann das Leben verändern«

Klassische Musik gilt vielen als elitär und verstaubt – doch tatsächlich kann sie Menschen erschüttern. Warum wir sie dringend brauchen, beschreibt Berthold Seliger in seinem Buch »Klassikkampf«. Ein Gespräch über Trost, Sinn und Widerstand

Publik-Forum: Herr Seliger, wann ist Ihnen zuletzt beim Musikhören ein Schauer den Rücken runtergelaufen?

Berthold Seliger: Das passiert relativ häufig, das letzte Mal im September beim Berliner Musikfest. Da habe ich das Flötenquintett von Isang Yun gehört ...

... einem modernen koreanischen Komponisten ...

Seliger: Ja, das kannte ich vorher nicht. Es ist wunderbar, so ein tolles Werk kennenzulernen. Da geht eine Tür auf, durch die ich noch nicht gegangen bin, und dann will ich sofort mehr wissen und erfahren! Bei einem zeitgenössischen Werk kann ich ja in der Regel nicht vorher die Partitur lesen, um mich auf das Konzert vorzubereiten. Auch hinterher kann ich das nicht sofort analysieren oder mit anderen Interpretationen vergleichen.

Wann haben Sie denn zum ersten Mal gemerkt, dass klassische Musik für Sie ein Lebensmittel ist?

Seliger: Auch wenn es ein bisschen komisch klingt: Das war mit fünf oder sechs Jahren. Mein Vater war Schlosser und hat Öltanks in Häuser eingebaut. Ich bin oft mit ihm mitgefahren, und weil ich aus Sicherheitsgründen nicht auf die Baustellen durfte, bin ich dann immer im Auto sitzen geblieben und habe Radio gehört. Und plötzlich hatte ich dieses Gefühl, ich will Klavier spielen lernen. Dabei lief da Orchestermusik – das war ein vollkommen irrationaler Moment! Wir hatten kein Klavier, aber konnten dann erfreulicherweise eines anschaffen, und ich habe das relativ schnell gelernt. Von da an war diese Musik meine Welt.

Eine Welt, die immer weniger Menschen interessiert: Die Zahl der Konzertbesucher gehe d