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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vom 10.11.2017

es gibt Sätze, die selbstverständlich klingen – und doch verstehen alle etwas anderes darunter. Dazu zählt der Satz: »Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen.« Die Mehrheit der politisch Verantwortlichen versteht unter Fluchtursachen die Möglichkeiten für Flüchtlinge, nach Europa zu kommen: offene Grenzen, Schleuser, unkooperative Regierungen, die Flüchtlinge nicht aufhalten wollen oder können. Um diese »Fluchtursachen« zu bekämpfen, sucht die Politik nach Wegen, um Flüchtlinge von Europa fernzuhalten.

Die Organisationen, die dieses Dossier verantworten, fragen dagegen, warum die Menschen ihre Heimat überhaupt verlassen haben. Wer mit Flüchtenden spricht, erfährt schnell, dass sie nicht freiwillig, sondern zumeist unter dramatischen Umständen geflohen sind: Nicht wenigen wurde das Haus zerbombt; andere wurden auf der Straße verhaftet und ins Gefängnis geworfen; wieder andere hat man gewaltsam von ihrem Land vertrieben. Und allen ist eines gemeinsam: Sie sehen in ihrer Heimat keinerlei Chance auf ein menschenwürdiges Leben für sich und ihre Kinder in einer friedlichen Umgebung.

Doch damit nicht genug: In Gesprächen mit Flüchtlingen wird deutlich, dass auch die deutsche Politik, die deutsche Lebensweise, dass auch wir eine Ursache für Flucht und Vertreibung in anderen Teilen der Welt sind. Auch Deutschland beteiligt sich an militärischen Interventionen; auch deutsche Waffen töten Kinder; unser Wohlstand beruht auf Hungerlöhnen in anderen Teilen der Welt, auf der Ausbeutung von Rohstoffen, auf Umweltzerstörung – mit allen Folgen für die Lebensbedingungen in den armen Regionen dieser Erde.

Kurzum: Wer fragt, warum derzeit mehr als sechzig Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind (nur wenige kommen nach Europa), muss die politischen Verhältnisse und die Lebensbedingungen in vielen Ländern des Südens hinterfragen – aber auch unsere Politik, unsere Wirtschaftsweise, unseren Lebensstil, die diese Verhältnisse stützen.

Das vorliegende Dossier versucht dies. Es hat vor allem ein Ziel: Nämlich eine offene Diskussion über die wirklichen Fluchtursachen zu entfachen. Und Druck auf die Entscheidungsträger zu machen für eine Politik, die alles unterlässt, was Menschen irgendwo in der Welt zur Flucht treibt – und alles Menschenmögliche tut, dass Menschen in ihrer Heimat in Würde leben können. Dieser Druck wird umso stärke

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