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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Evangelische Heilige

vom 10.11.2017

Die Sache war Markus offensichtlich ein wenig unangenehm. Trotzdem wollte er seine Geschichte in unserem Männerkreis unbedingt loswerden:

»Also, vorgestern habe ich zwei Stunden lang meinen blöden Autoschlüssel gesucht. Und musste total dringend weg. Ich war echt am Ende. Und als ich dann in meiner Not den Heiligen … also ja, den Heiligen Antonius angerufen habe – schwupps, da lag er direkt vor mir. Also, nicht der Antonius, sondern der Schlüssel. Der lag einfach so im Regal. Mein Sohn hatte sein bescheuertes Comicheft draufgelegt.« Markus räusperte sich, warf einen schüchternen Blick auf mich als evangelischen Theologen und fragte: »Darf man als Protestant jetzt eigentlich die Heiligen um Hilfe bitten oder nicht?«

Betretenes Schweigen. Nun schauten auch alle anderen mich an. Langsam sagte ich: »Äh … nein!«

Betroffene Gesichter. Markus insistierte: »Aber der Schlüssel war wirklich auf einmal wieder da! Das ist doch eine konkrete spirituelle Erfahrung! Und Antonius ist nun mal der Heilige der verlorenen Dinge.«

In der Stimmlage, in der ich sonst auch Konfirmanden gern zur Ordnung rufe, fragte ich Markus: »Meinst du nicht, dass der Schlüssel genauso schnell wieder aufgetaucht wäre, wenn du direkt zu Gott gebetet hättest?« Und setzte polemisch nach: »Oder hätte Gott beim Suchen etwa länger gebraucht als der ›Schlampertoni‹, wie dein Fundbüro-Heiliger auch gern genannt wird?«

»Äh … keine Ahnung«, stotterte Markus.

»Aber genau darum geht es«, sagte ich und konnte es wieder nicht lassen, zu dozieren: »Martin Luther fand es seltsam, dass man Tote anbetet. Als müssten die bei Gott ein gutes Wort für uns einlegen. Beten soll man direkt zum Chef – und basta!« Ich machte eine theatralische Pause und sprach leise weiter: »Allerdings erkannte Luther sehr wohl, dass die Heiligen einen Vorbildcharakter haben. Deshalb galt seine Devise: Heilige verehren: Ja. Sie anbeten: Nein. Und darum werden Sankt Martin oder der Nikolaus eben auch bei uns fröhlich gefeiert.«

Da meinte Jochen: »Dann könnte es also auch bei den Evangelischen so etwas wie Heilgenfeste – oder meinetwegen Feste der verehrungswürdigen Glaubensvorbilder – geben. Zum Beispiel ein jährliches Martin-Luther-Fest! Dann haben beide Konfessionen einen heiligen Martin. Der heilige Martin der Katholiken hat seinen Ma

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