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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

Damit Menschen bleiben können

Dringend gebraucht: Eine Lebensperspektive in Frieden

Wenn die Politik der Industrieländer dafür sorgen will, dass die Menschen in den armen Ländern in ihrer Heimat bleiben können, dann müssen sie ihnen eine Lebensperspektive in Frieden bieten. Dies erfordert grundlegend andere politische Prioritäten – und einen langen Atem.

Frieden first

Spätestens seit dem 11. September 2001 setzen westliche Regierungen noch stärker als zuvor auf die militärische Karte. Da Krieg kaum je Frieden schafft, braucht es eine grundlegende Wende im Denken und Handeln: Politisch geht es darum, alle nur erdenklichen Möglichkeiten für eine friedliche Lösung von Konflikten auszuloten, bevor Militär eingesetzt wird. Gerade die Europäische Union hat Erfahrung mit der friedlichen Versöhnung von Todfeinden. Wann endlich gibt die Bundesregierung mehrere Milliarden für den zivilen Friedensdienst aus? Heute sind es vierzig Millionen – der Rüstungshaushalt hingegen beträgt vierzig Milliarden Euro.

Keine Waffen für Kriege

Theoretisch ist es das Prinzip der Bundespolitik, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern. Doch die Praxis sieht anders aus. Deutsche Waffen töten im Jemen, in Syrien, in Afghanistan und im Irak. Den Frieden wird Deutschland erst fördern, wenn es – wie Schweden – keine Waffen in Krisengebiete liefert; wenn keine Waffen mehr an den Kriegstreiber Saudi-Arabien gehen; wenn weder Saudis noch Iraner Lizenzen zum Bau von Gewehren der Firma Heckler & Koch erhalten; wenn die Deutschen auf EU-Ebene verhindern, dass Waffen aus EU-Staaten oder Beitrittsländern an die Kriegsparteien in Syrien gehen; wenn Rüstungsarbeitsplätze für die Herstellung ziviler Produkte umgerüstet werden.