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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

Adveniat in Mexiko: Fair Trade verhindert Flucht

Als Tagelöhner auf den Plantagen der Kaffeebarone schuften: Das war für die Indigenen im Süden Mexikos bittere Wirklichkeit. Kaffee ist das bestimmende Erzeugnis dieser Region – und das Symbol der Ausbeutung. Die Tzeltales standen auf der untersten gesellschaftlichen Stufe: erst als Tagelöhner, später als Zulieferer billigen Rohmaterials an die Zwischenhändler. »Sie hatten keinerlei Kontrolle über den Preis und waren der Willkür ausgeliefert«, erklärt Padre Arturo Estrada, Leiter der Jesuitenmission von Bachajón. Gemeinsam mit dem Hilfswerk Adveniat veränderte er das.

»Jetzt haben wir die Kontrolle über die Produktion«, sagt Andrés Rodríguez. Der Zwanzigjährige arbeitet als Techniker in der Kaffeekooperative Capeltic, die ihr Produkt bis nach Japan exportiert. Gleichzeitig studiert Andrés in Abendkursen Betriebswirtschaft. Sein Vater schuftete noch in Schuldknechtschaft.

Die Kontrolle der Ernte und der gesamten Produktion empfindet auch Andrés’ Schwester Manuela Rodríguez als den Vorteil der Kooperative. Sie arbeitet bei Xapontic, dem Zweig, der handgefertigte Seifen herstellt. Die Seifen und die Fertigung von traditionellen Textilien und Kunsthandwerk sind die Domänen der Frauen. Traditionell standen sie im Schatten der Männer. Dass Mädchen länger als vier, fünf Jahre zur Schule gehen oder gar einen eigenen Beruf ergreifen, war für die Indigenen bis vor einer Generation noch undenkbar. »Es ist wichtig und eine Quelle des Selbstbewusstseins, wenn wir Frauen unser eigenes Geld verdienen«, erzählt die 26-jährige Manuela. Als eine der ersten Frauen hat sie Abitur gemacht und ist für den