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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

Der tiefe Graben

Stadt und Land driften immer mehr auseinander. Auch politisch

Städtische Ballungsgebiete und der ländliche Raum driften auseinander – wirtschaftlich, was die Bevölkerungsentwicklung betrifft, und auch politisch. Das hat die Bundestagswahl gezeigt. Die meisten Stimmen errang die AfD in ländlichen Gebieten Ost- und auch Süddeutschlands, die wenigsten in westdeutschen Großstädten. Populisten scheinen im ländlichen Raum, wo sich Menschen abgehängt fühlen, besonders punkten zu können. Nirgendwo sonst hat etwa die CDU so viele Stimmen verloren wie in Sachsen. Weshalb die Junge Union Sachsens jetzt fordert, statt weiter nach rechts zu rücken, müssten die Christdemokraten dafür sorgen, dass in Sachsen der Ausbau des schnellen Internets vorankomme, rollende Arztpraxen und Bankfilialen in den Dörfern eingerichtet, die Regional- und Kleinbusnetze verbessert würden und Berufsschul- und Fachhochschul-Standorte im ländlichen Raum erhalten blieben.

Genauso wichtig sind Ladengeschäfte, Schulen und Sporthallen, die auch von Vereinen und der Volkshochschule genutzt werden können. Es rächt sich, dass die Politik vielerorts Dörfer und Kleinstädte vernachlässigt hat. Und wer sich vernachlässigt und abgehängt fühlt, wählt eher rechtspopulistische Parteien.

Das gilt auch für andere Länder. In Österreich verdankte schon der grüne Bundespräsident Alexander Van der Bellen seine Wahl den Städtern – und das Land wählte eher den rechtspopulistischen Gegenkandidaten. Auch in der Schweiz punktet die rechtspopulistische SVP vor allem im ländlichen Raum.

Weil nach der Bundestagswahl die Gefahr einer politischen Polarisierung zwischen Stadt und Land so offensichtlich ist, fordern Politiker nun ein Bundes-Heimatministerium. Es könnte »di