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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

»Brandstifter wollen Feuer löschen«

Wie der freie Welthandel und die Politik der EU viele Menschen aus ihrer Heimat vertreibt

Regelmäßig preisen die westlichen Regierungen und ihre Institutionen die Vorzüge einer freien Weltwirtschaft. Rund 500 Millionen Menschen hätten weltweit von der Globalisierung profitiert, gab die Weltbank bekannt – die Armut sei zurückgegangen. Deshalb setzt die politische Mehrheit im Westen weiter auf den freien Welthandel. Die Hoffnung: je mehr Handel, desto mehr Wohlstand. Dabei ignorieren sie, dass dieser Wohlstand so ungerecht verteilt ist wie nie zuvor. Die acht reichsten Menschen besitzen so viel wie 49 Prozent der Menschheit. Und bei allen Fortschritten leben noch immer 1,2 Milliarden Menschen von weniger als 1,25 Dollar am Tag.

Denn: Durch die Investitionen der Konzerne entstehen sicherlich Arbeitsplätze. Andererseits investieren sie zumeist nur dort, wo die Löhne niedrig sind. Oft beuten sie vor allem Rohstoffe aus – zu Hungerlöhnen und unter Zerstörung der Umwelt. Das lokale Kleingewerbe kann gegen die Multis nicht bestehen. In ländlichen Regionen wird vor allem in Großplantagen investiert. Kleinbauern werden vertrieben, ihr Land aufgekauft. Die Verlierer dieser Entwicklung fliehen in die Städte – und in die Perspektivlosigkeit.

Hohe Gewinne für Europa

Verschärft wird das Problem, weil sich die Wirtschaftspolitik des Nordens nur an den eigenen Interessen orientiert. Wie jene der Europäischen Union. Im Rahmen von Zoll- und Handelsabkommen können die afrikanischen Staaten Rohstoffe zwar zollfrei in die EU exportieren. Dieses Privileg gilt aber nur für Rohstoffe wie Kaffeebohnen, nicht für weiterverarbeitete Waren wie gerösteten Kaffee. Den Gewinn sacken die Europäer ein. Den Afrikanern bleibt die Rolle von Lieferanten billiger Ro