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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

Basketball spielen für den Frieden

von Anja Boromandi vom 10.11.2017
Nordirland zittert vor dem Austritt Großbritanniens aus der EU. Wird der fragile Waffenstillstand zwischen Protestanten und Katholiken halten – trotz Brexit? Ein Besuch bei Friedensinitiativen in Belfast

Gary, Maude und Brooklyn lieben Basketball. Die Jugendlichen kommen gerade vom Spielfeld zurück, gleich wollen sie gemeinsam mit ihren Teams zu Abend essen. Die Stimmung ist ausgelassen. »Hier habe ich Spaß, hier treffe ich meine Freunde«, erklärt Gary gut gelaunt. Zusammen mit anderen Teenagern nimmt er etwas außerhalb von Belfast am Trainingscamp der PeacePlayers teil. Die Leidenschaft zum Basketball verbindet sie, doch ihr Vereinsname deutet an, dass dahinter mehr steckt als nur Ballsport: Bei den PeacePlayers spielen katholische und protestantische Kids zusammen. In jedem anderen europäischen Land ist das selbstverständlich – in Nordirland ist es auch im Jahr 2017 noch immer nicht alltäglich.

Brooklyn ist Katholikin und seit der Grundschule bei den PeacePlayers. »Weil es dabei nicht alleine um Sport geht, sondern auch um Diskussionen, die über den Spielfeldrand hinausgehen«, erklärt die 15-Jährige. »Wir reden über stereotypes Denken, über Vorurteile und Diskriminierung und wie wir das, was wir hier besprechen, in den Alltag übertragen können.« Gary pflichtet ihr bei. »Wir diskutieren viel über unsere jeweiligen Ansichten aus protestantischer oder katholischer Sicht und sind oftmals nicht einer Meinung, aber am Ende sind die Debatten immer konstruktiv.« Außerhalb der PeacePlayers sieht Brooklyns Alltag anders aus. Da ist sie in ihrer Schule nur unter ihresgleichen, zusammen mit Jugendlichen derselben Konfession. In ihrer Freizeit trifft sie sich aber inzwischen wie selbstverständlich mit den protestantischen Spielern aus ihrem Team. Zum Beispiel mit Maude. Die Protestantin geht jeden Sonntag in die Kirche und ist seit vier Jahren im Basketballteam. Ihre beste Freundin hier sei eine Katholikin.

»Es hat lange gedauert, gut zehn bis zwölf Jahre, bis unser Konzept aufgegangen ist und wir mit unserer Arbeit endlich Früchte ernten konnten«, sagt Gareth Harper, der Geschäftsführer der PeacePlayers. Die Idee, an Schulen zu gehen und dort mithilfe von Basketball gegensätzliche Gruppen zusammenzubringen, komme ursprünglich aus den USA, erzählt er. Zufrieden und mit Stolz schaut Harper auf die Entwicklung seiner Organisation. Inzwischen seien rund 3000 Jugendliche zwischen 9 und 25 Jahren bei den PeacePlayers, vierzig bis fünfzig Mitarbeiter habe das Team. »Wir erhalten als erstes staatlich gefördertes Sportprojekt überhaupt einen Zuschuss von der EU«, erklärt er. Alleine im letzten Jahr haben si

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