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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2016
Gefährlicher Egoismus
Warum sich die Deutschen mit Gerechtigkeit so schwertun
Der Inhalt:

Buch des Monats: Wie werde ich weise?

von Norbert Copray vom 04.11.2016
Erkenntnisse der psychologischen Weisheitsforschung

Judith Glück
Weisheit
Die 5 Prinzipien des gelingenden Lebens. Kösel. 224 Seiten. 19,99 €

Wer möchte nicht gerne weise werden? Vielleicht nicht unbedingt in jungen Jahren, aber als Frucht des gelebten Lebens ab der zweiten Lebenshälfte ist Weisheit durchaus eine reizvolle Dimension des Älterwerdens. Doch Weisheit hat Voraussetzungen. Zwar garantieren auch sie dem Menschen nicht automatisch, dass er weise wird. Aber sie erhöhen die Chancen dafür deutlich. Judith Glück, Psychologieprofessorin in Klagenfurt, führt mit ihrem gut verständlichen Buch »Weisheit« in die fünf Prinzipien des gelingenden Lebens ein, die Weisheit ermöglichen. Dazu gehören Offenheit, guter Umgang mit Gefühlen, Einfühlungsvermögen, kritisches Reflektieren und die Überwindung der Kontrollillusionen. Diese Fähigkeiten sind nach Ansicht der Autorin die maßgeblichen Quellen der Weisheit. Jedes Prinzip wird von ihr eingehend untersucht und eingängig erklärt.

Unter Offenheit versteht sie »die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen, andere Denkweisen, Veränderungen einzulassen«. Da geht es um die »eigene innere Welt«, um »Fantasie, Kreativität, Originalität des Denkens«. Offenheit für Kunst und Ästhetik ist genauso gemeint wie für Gefühle, Handlungen, Ideen und Werte. Aus Interviews, die sie selbst geführt hat, zitiert sie Menschen, die gelernt haben, lebenslang offen für Neues zu bleiben.

Doch wie bei allen Weisheitsquellen gebe es auch ein Zuviel an Offenheit. Dieses Zuviel beschreibt Glück in jedem Kapitel im Sinne einer Risikoanzeige. Außerdem gibt sie die Schritte an, die nötig sind, um beispielsweise offener zu werden, einen guten Umgang mit Gefühlen zu üben oder Mitgefühl zu erlernen. Von enormer Bedeutung sei es, kritisch zu reflektieren. Man muss sich selbst hinterfragen, wenn man Komplexes verstehen will oder Menschen und Sachverhalte im Kontext beurteilen möchte. Erst so werde aus dem Erlebten tiefe Lebenserfahrung.

»Natürlich kann man auch zu selbstkritisch sein«, so Glück. Zudem »gibt es die zu ›verkopften‹ Menschen, die sehr viel nachdenken, über sich selbst und andere und über das Leben, die aber mit ihren eigenen ›tieferen Schichten‹, den Intuitionen und Gefühlen nicht wirklich im Kontakt sind«.

Um weise zu werden, müsse man akzeptieren, dass das Leben prinzipiell unkontrollierbar sei. Spät

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