Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2016
Gefährlicher Egoismus
Warum sich die Deutschen mit Gerechtigkeit so schwertun
Der Inhalt:

Unter einem großen geistlichen Dach

von Gunhild Seyfert vom 04.11.2016
Kloster auf evangelisch: In Wienhausen verbinden lebenserfahrene Frauen Wohnen, Beten und kulturelles Engagement

Die Äbtissin ist eine Überraschung. Wer bei der Vorsteherin des Klosters Wienhausen ein zurückhaltendes Äußeres erwartet, liegt bei Renate von Randow falsch. Die Äbtissin des evangelischen Frauenklosters, zehn Kilometer südlich von Celle in Niedersachsen gelegen, empfängt Besucher in ihrem Büro im stilvollen knallroten Kleid, trägt üppig Schmuck an Ohren, Armen und Händen, und auch ihre Lippen sind rot geschminkt. Mit wachen Augen hinter der modernen Brille, klarer Stimme und Rede ist sie selbstbewusst. Kein Zweifel: Hier tritt die Managerin eines modernen Unternehmens auf. Die tatkräftige 69-Jährige vertritt das Kloster nach außen, verantwortet seinen Wirtschaftsbetrieb aus Forsten, Grundstücken und Kultur-Tourismus. »Meine Führungsaufgabe nach innen ist die Wichtigste«, sagt sie jedoch mit Nachdruck. »Ich habe ein Auge auf jede der Frauen.«

Die zwölf Frauen sind zwischen 68 und 86 Jahre alt. Sie werden Konventualinnen genannt und waren vor ihrem Eintritt ins Kloster Buchhändlerin, Lehrerin oder auch Technische Assistentin. Sie sind ledig, verwitwet oder geschieden, und ihre Kinder sind längst erwachsen. Jetzt stemmen sie eine gemeinsame Aufgabe: Eine 800 Jahre alte Tradition klösterlichen Frauenlebens auf zeitgemäße Weise lebendig zu halten und in täglichen Führungen die Schätze des Klosters zugänglich zu machen. Mit dem Eintritt ins Kloster Wienhausen entscheiden sie sich für einen geistlichen und kulturellen Schwerpunkt in ihrem Leben. Für soziales Engagement, zum Beispiel in der örtlichen Kirchengemeinde, ist im Alltag einer Konventualin jedoch keine Zeit mehr. Jede erarbeitet sich ihre Führung durchs Kloster selbst und setzt persönliche Akzente. »Wir können hier Glauben über Kunst erklären und vermitteln«, sagt die sehr gepflegt gekleidete 73-jährige Helene Behrens mit sanfter Stimme und lächelt.

Zusätzlich warten weitere Aufgaben im Klosterbetrieb: den Organisationsplan für die Führungen austüfteln, der Küsterdienst im »Nonnenchor« der reich bemalten Kirche der Frauen, der Klostergarten, die Herrichtung der Gästewohnungen und die Materialbestückung des Klosterladens. Es gibt viel zu tun. Bisweilen zu viel.

»Es rappelt schon mal«

»Es rappelt schon mal«, sagen die Frauen, wenn man sie nach Konflikten untereinander fragt. Wie kommt es zum Unfrieden an einem Ort, der wirkt, als sei er der Zeit und aller Unruhe entrückt? Spannu

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen