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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

Menschen und ihre Dinge

Sehend verstehen: Ein Museum in Bottrop zeigt Fotos von Walker Evans

Es gibt wohl keinen Fotografen, der nicht von Walker Evans beeinflusst ist. Dabei war Fotokunst nie sein Ziel. Zu kritisch war er gegenüber der »Hochkultur«, der kulturellen Hierarchie, die er in den Museen fand. Stattdessen entwickelte er einen dokumentarischen Stil, der sich der sozialen Wirklichkeit stellte: Die Dinge so abzubilden, wie sie sind, ganz alltägliche Phänomene wertzuschätzen, das war Evans’ Anspruch. Doch nicht an reiner Dokumentation war ihm gelegen. Es ging ihm auch um die innere Beziehung des Künstlers zu den abgebildeten Dingen. Hinter dem, was uns immer umgibt, scheint plötzlich eine Ordnung auf.

Nun bietet das Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop endlich die Chance, das vielseitige Werk von Walker Evans aus der Nähe kennenzulernen. Diese erste europäische Retrospektive zeigt mehr als 200 Fotografien Evans’, zusammengestellt aus den wichtigsten fotografischen Sammlungen der USA. Darunter auch viele Überraschungen: Kaum jemand kennt Evans’ Farbfotos. Bekannt sind die Bilder der Großen Depression, die im Gesamtwerk noch deutlicher zeigen, dass es Evans darum ging, einen genauen Blick für etwas zu haben, starrend zu verstehen. Die moralische Zurückhaltung und Ruhe dieser Bilder sind ungemein wohltuend – keine Propaganda, nur Menschen und ihre Dinge.

Anonyme Architektur, Werbung, Kleidung und Abfall standen im Mittelpunkt von Evans’ Schaffen. »Es lässt sich heute kaum mit Sicherheit sagen, ob Evans das Amerika seiner Jugend nur abbildete oder es tatsächlich erfand«, fasst Kunsthistoriker John Szarkowski die Bedeutung von Walker Evans zusammen.

So persönlich zurückhaltend Evans die Zeichen der kommerziellen Welt abbildete, so verhas