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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Ab in die Kiste

Wenn Pfarrerinnen und Pfarrer unter sich sind – und ein Glas Rotwein getrunken haben –, dann reden sie gerne über heitere Themen. Zum Beispiel über Beerdigungen. Oder Friedhöfe. Oder über Urnen, die nicht ins Loch passten. Oder über stolpernde Friedhofsgärtner.

»Neulich bin ich zum ersten Mal mit meinem Navi zum Friedhof gefahren. Das mache ich nie wieder. Das Ding hat doch tatsächlich gesagt: ›Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht!‹« Der Kollege grinst breit, als er das erzählt. Eine Vikarin erwidert fröhlich: »Woran merkt man, dass man alt wird? – Ganz einfach: Wenn man beim Besuch auf dem Friedhof denkt: ›Lohnt sich der Heimweg?‹«

Ja, wir »Schwarzkittel« sind so oft mit dem Tod konfrontiert, dass da bisweilen nur abgeklärte Gelassenheit hilft. Nebenbei: Die eigentliche Herausforderung für uns »Senk-Ammen« (wie sich eine Kollegin gerne als Pendant zur Heb-Amme nennt) ist nicht der unfassbare Schmerz vieler Angehöriger. Zumindest erlebe ich das nicht so. Ich bin schließlich derjenige, der am Grab von grenzenloser Hoffnung schwärmen darf, vom Vertrauen auf einen Gott, der stärker ist als der Tod, von der Zukunft im Angesicht des Endes.

Nein, das wirklich Erschütternde ist, dass ich selten so belogen werde wie in Beerdigungsgesprächen. Zum einen halten sich die Leute gerne an die Regel des Chilon von Sparta »De mortuis nil nisi bene« (»Über Verstorbene nur wohlwollend sprechen«), zum anderen möchte natürlich auch niemand seine Familienverhältnisse als missraten darstellen. So kommt es, dass ein Pfarrer bei der Trauerfeier gelegentlich Dinge erzählt, von denen alle außer ihm wissen, dass sie nicht stimmen.

Einmal habe ich nach einer Beerdigung eine Frau angesprochen, die erkennbar am intensivsten von allen Anwesenden trauerte. Sie sagte leise: »Der Verstorbene und ich haben jetzt 23 Jahren zusammengelebt. Aber weil er sich nie von seiner Frau hat scheiden lassen, war sie die Ansprechpartnerin für das Trauergespräch.«

Wumms. Von der Familie kein Ton über die Freundin und den Auszug des Vaters vor mehr als zwei Jahrzehnten. Das klang alles nach eitel Sonnenschein: »Die Familie war ihm sooo wichtig.«

Immer wieder tauchen bei Beerdigungen Kinder aus anderen Beziehungen auf, von denen vorher nicht die Rede war. Einmal erschien am Grab ein rüstiger Chor ehemaliger SS-Kameraden und wollte

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