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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ich kann das«

Gabriele Monnerjahn (56) pflegt ihre Mutter bei sich zu Hause. Seit einem Schlaganfall ist die 76-Jährige halbseitig gelähmt

Seit ich meine Mutter bei mir zu Hause pflege, ist mein Tagesablauf eng getaktet: Sieben Uhr aufstehen, Frühstück machen und Mama füttern. Danach kommt der Pflegedienst, wäscht sie und zieht sie um. Mittagessen, Abendessen. Zwischendurch Windeln wechseln. In solchen Momenten ist meine Mutter nicht meine Mutter, sondern ein ohnmächtiger Mensch, der meine Hilfe braucht. Kopf aus, Schalter umlegen, Emotionen ausblenden. Diese Distanz muss sein, sonst kriegt man das nicht hin.

Mutter schaut viel fern, manchmal guckt sie auch zum Fenster hinaus in den Himmel. Vielleicht sind das glückliche Momente für sie: Wolken beobachten. Vögel, die vorbeifliegen. Ich weiß es nicht. Sie kann ja nicht mehr sprechen. Aber ich hoffe es für sie. Wenn ich mal ein paar Stunden für mich brauche, dann muss ich das selbst organisieren. Manchmal kommt eine Freundin vorbei, damit ich mal zwei Stunden in die Stadt komme: zum Friseur, ins Café, zum Einkaufen.

Meine Tochter hat gesagt: »Mama, wenn dir mal etwas passiert: Ich kann das nicht. Ich suche ein gutes Heim für dich, ich komme dich besuchen – mehr geht nicht.« Ich verstehe das. Meine drei jüngeren Brüder können das, was ich tue, anscheinend auch nicht. Nicht einmal für zwei Wochen, damit mein Mann und ich mal in Urlaub fahren können. Also muss Mama dann in die Kurzzeitpflege. Diese Zeit ist mir wichtig. Schließlich braucht mein Mann seine Frau auch mal ohne Verpflichtungen.

Meine Mutter war immer eine fitte und emsige Person. Sie ist fünfmal am Tag in die Stadt gelaufen, hat alles zu Fuß erledigt, nie geraucht oder getrunken. Was genau an diesem Abend im Dezember 2013 passiert ist, weiß ich nicht. Sie wollte wohl Plätzchen backen – die Zutaten standen