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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

Die letzte Reise

Roman. Was macht man, wenn man weiß, dass man bald sterben wird? Der Held von Alban Nikolai Herbsts Roman »Traumschiff«, der siebzigjährige Gregor Lanmeister, begibt sich auf eine letzte Reise: eine Atlantik-Kreuzfahrt von Südafrika bis nach Europa.

Seit der gebrechliche alte Mann das Sprechen aufgegeben hat, weil es sowieso nur zu Missverständnissen führt, trägt er eine Kladde mit sich. Darin notiert er die Koordinaten der Reise, seine Selbstgespräche, Beobachtungen und Erinnerungen. Das klingt dann so: »Über uns schwankte der Mond wie ein am Kinderarm getragener Lampion. Mit ihm schwankten die Wolken. Wir aber standen auf dem Schiff und der Zeit vollkommen reglos.«

Wie im Traum verschwimmen die Grenzen von Zeit und Raum. Richtig surreal wird es, wenn Lanmeister eine algenhaarige Nixe auf den Wellen reiten sieht. Hat er Halluzinationen, wird er langsam senil?, fragt er sich selbst und führt auch den Leser immer mehr auf wackligen Grund.

Bald weiß man nicht mehr: Ist der Held wirklich unterwegs auf einem Schiff? Oder erinnert er sich bloß an vergangene Kreuzfahrten und lebt bereits im Pflegeheim?

Eindeutig ist nur die innere Reise Lanmeisters zurück in seine lieblose Kindheit als »Russenkind«, zu seinen gescheiterten Frauenbeziehungen bis hin zur Erzählgegenwart in der tröstlichen Gesellschaft anderer Sterbenskranker. Während er zunehmend körperlich abbaut, lebt er im Innern noch einmal richtig auf. Zeit seines Lebens kalt und rücksichtlos gegenüber den Mitmenschen, wird er zum Ende hin immer empfindsamer und verspürt im letzten Moment sogar Mitgefühl.

»Traumschiff« ist eine berührende, nachdenk