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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2014
Heilende Tinte
Wie Schreiben befreit
Der Inhalt:

Nein zum »roten Kaiser«

von Thomas Seiterich vom 07.11.2014
Die Demokratiebewegung in Hongkong führen Mitglieder christlicher Kirchen an. Wer sie sind, erklärt der Theologe Tobias Brandner

Publik-Forum: Der prominente 17-jährige Anführer der demokratischen Studentenproteste in Hongkong trägt den biblischen Vornamen Joshua. Ein Christ? Welche Rolle spielen Christen im Protest gegen die chinahörige Regierung in der 7,5-Millionen-Stadt?

Tobias Brandner: Joshua Wong, der weltbekannt gewordene Sprecher der jungen, studentischen Protestbewegung, stammt aus einer evangelischen Familie. Ich habe heute mit seinem Gemeindepfarrer gesprochen und der bestätigt, dass Wong ein engagierter Gemeindechrist und in seiner Kirche verwurzelt und aktiv ist. Natürlich sind nicht alle Protestierenden Christen; bilden die Christen aller Konfessionen in Hongkong doch nur eine Minderheit von weniger als einem Fünftel aller Bürger. Doch in der gewaltfreien Demokratiebewegung spielen Christen eine entscheidende Rolle. Beim »Erwachsenen«-Bürgerprotest, der »Occupy-Central-Bewegung«, in der sich Nichtstudierende engagieren, kommen die die drei öffentlichen Anführer aus Kirchen.

Spielt die Religion beim Aufbegehren gegen den Druck durch China eine Rolle?

Brandner: Sie bildet einen Faktor unter mehreren. Der christliche Glaube geht ja fundamental davon aus, dass alle Menschen Gottes Kinder wie auch Sünder sind, die der Umkehr und Vergebung bedürfen. Die diesem Glauben innewohnende Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen macht die Christen immun gegen die gottähnliche Verehrung, die den Chefs der Kommunistischen Partei Chinas von nichtreligiösen Chinesen entgegengebracht wird. Unzählige betrachten den aktuellen Parteichef Xi Jin Ping als »roten Kaiser«. In China wirkt der biblische Gleichheitsgedanke subversiv. Diesen Gleichheitsgedanken tragen die Christen in die Proteste. Wobei man realistischerweise festhalten muss, dass die Kirchen in Hongkong, wie auch die übrigen religiösen Gemeinschaften, in Befürworter und Gegner der Demokratiebewegung gespalten sind.

Alle Kirchen in Hongkong sind Minderheitskirchen in einer nichtchristlichen Gesellschaft. Solche Kleinkirchen gelten zumeist als konservativ.

Brandner: Gewiss sind zahlreiche Kirchen und Gemeinden theologisch konservativ. Dessen ungeachtet gilt jedoch für die Christen, dass sie tendenziell furchtlos sind. Sie sind in der Gesellschaft Hong

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