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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2014
Heilende Tinte
Wie Schreiben befreit
Der Inhalt:

Die Hölle für Flüchtlinge

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 07.11.2014
Australien ist für viele Deutsche ein lockendes Urlaubsziel, Touristen sind willkommen – Schutzsuchende nicht

Mit dem Rucksack durch Australien zu reisen ist im Trend. Doch während abenteuerlustige Studenten aus aller Welt das Outback erkunden, unternehmen verzweifelte Mütter aus aller Welt in australischen Asylbewerberlagern Selbstmordversuche – um so die Chancen ihrer Kinder auf Asyl zu erhöhen. Das Lager, in dem solche Vorfälle sich ereignen, ist weit weg von Surferstränden, fröhlichen Touristen und Naturparks mit Koalabären und Kängurus: Es befindet sich auf den Weihnachtsinseln zwischen Australien und Indonesien. Denn Flüchtlinge dürfen keinen Fuß mehr auf australisches Territorium setzen. Die Regierung lässt in verschiedenen Ländern TV-Spots ausstrahlen, die Flüchtlinge davon abhalten sollen, sich auf den illegalen Weg übers Meer zu machen. »Keine Chance – ihr werdet Australien nie zu eurer Heimat machen«, heißt es darin.

Diejenigen, die trotzdem kommen, werden in extraterritoriale Lager gebracht: In den winzigen Inselstaat Nauru, auf die zu Papua-Neuguinea gehörende Insel Manus oder auf die Weihnachtsinseln. Australien bezahlt seine Nachbarn dafür, dass sie ihnen die lästigen Flüchtlinge vom Leib halten. »Pazifische Lösung«, nennt Australien dieses Konzept. Doch die »Lösung« ist ein massiver Verstoß gegen das Völkerrecht.

Zurzeit werden vor australischen Gerichten gleich zwei Fälle behandelt, die mit der verheerenden Flüchtlingspolitik des Kontinents in Verbindung stehen. Einer davon betrifft ein Baby, das in Australien auf die Welt kam, dessen Eltern jedoch illegal eingereist waren. Deshalb soll das Baby kein Visum bekommen und nach Nauru abgeschoben werden, entschied das Gericht in Brisbane Mitte Oktober. Dass eine Gruppe von Ärzten bereits vor einem Jahr einen alarmierenden Brief geschrieben und auf die herabwürdigenden und unmenschlichen Bedingungen in den Lagern hingewiesen hatte, ignorierte das Gericht.

Im vergangenen Jahr kamen circa 20 000 Flüchtlinge nach Australien. Premiermi nister Abbott nennt das eine »nationale Katastrophe«. Menschenrechtsorganisationen hingegen sehen eine nationale Katastrophe im Umgang mit den Schutzsuchenden: Gewalt und Missbrauch, psychische Probleme und Hoffnungslosigkeit seien Teil des Lageralltags. Sarah Hanson-Young, eine grüne Senatorin Australiens, bezeichnet die Lager sogar als »Gulags«. Doch das kümmert die Regierung wenig. Premierminister Tony Abbott wird mit den Worten zitiert: »Wir wollen sicherstellen, dass all diejeni

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