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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2014
Heilende Tinte
Wie Schreiben befreit
Der Inhalt:

Vorgespräch: Das Klo der Zukunft

von Eva-Maria Lerch vom 07.11.2014
Wozu brauchen wir den Welttoilettentag? Fragen an Pressesprecher Johannes Rück

Publik-Forum: Herr Rück, am 19. November begehen wir den Welttoilettentag. Ist das mehr als ein lustiger Eintrag im Kalender?

Johannes Rück: Typische Frage. Beim Thema Toilette muss man immer erst die Kurve vom Kuriosen zum Seriösen kriegen. Erst dann lässt sich erklären, dass die unzureichende Entsorgung von Urin und Fäkalien, besonders in Entwicklungsländern eins der größten Menschheitsprobleme darstellt.

Was macht das Thema so witzig?

Rück: Unsere Ausscheidungen sind ein Tabu, über das wir ungern sprechen. Wenn wir dann aber doch mal darüber reden müssen, werden wir alle gern albern, um die Banalität und Peinlichkeit des Themas zu überspielen.

Also ganz im Ernst: Wofür brauchen wir einen Welttoilettentag?

Rück: Der Welttoilettentag wurde 2001 von der gemeinnützigen World Toilet Organization ausgerufen, um auf die mangelhafte hygienische Situation in großen Teilen der Erde hinzuweisen. Etwa 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu würdigen sanitären Anlagen. Rund eine Milliarde müssen im Freien defäkieren. Die Folge sind Krankheit und Tod: Jeden Tag sterben laut Unicef rund 3600 Kinder an Durchfallerkrankungen. Je geringer die Sanitärversorgung eines Landes, umso höher die Sterblichkeit. 2013 hat die Uno den Welttoilettentag zum offiziellen Welttag erklärt.

Was passiert denn an diesem 19. November?

Rück: In diesem Jahr veranstalten wir weltweit einen »Urgent Run« (dringlichen Lauf) für alle, »die nicht können, wenn sie müssen«. Hier in Deutschland starten wir ihn im Rahmen einer Konferenz von Sanitärexperten in Bonn. Dann übergeben wir den Staffelstab an Berliner Schülerinnen und Schüler. Von dem Erlös werden Toiletten in Entwicklungsländern gebaut. Der Staffelstab ist natürlich eine Klobürste.

Gibt es in heißen Ländern denn genug Wasser für die Klospülung?

Rück: Nein. Für wasserarme Länder gibt es Alternativen, zum Beispiel Urin-Trocken-Trenntoiletten. Der Urin versickert im Boden oder wird separat aufgefangen. Nach einer kurzen Lagerzeit ist Urin ein hervorragender Flüssigdünger. Die gefährlichen Fäzes troc

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