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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2014
Heilende Tinte
Wie Schreiben befreit
Der Inhalt:

Buch des Monats: Blödsinnige Mythen

von Norbert Copray vom 07.11.2014
Ein Hirnforscher widerlegt so manche Behauptung, die mit der Neurowissenschaft begründet wird

Henning Beck
Hirnrissig
Die 20,5 größten Neuromythen – und wie unser Gehirn wirklich tickt. Hanser. 272 Seiten. 16,90 €

Hirnforschung und ihre Erkenntnisse stehen hoch im Kurs. Was ist nicht alles »neuro«! Vom Lernen bis zum Marketing, von der Geistphilosophie bis zur Supermarktgestaltung – alles wird mit dem Zusatz »neuro« versehen. Das ist chic und erklärt alles. Dabei spielen eine Reihe Selbst- und Neurovermarkter der »Hirn-Szene« eine maßgebliche Rolle. Und viele Zeitschriften plappern ihre teils schlichten, teils zweifelhaften Erkenntnisse nach (Publik-Forum 16/2010). Die Hirnforschung inszeniert sich als neue Leitwissenschaft. Sie will alte Probleme endgültig lösen und prägt den Zeitgeist.

Da kommt Henning Becks Buch über die »größten Neuromythen« unter dem Titel »Hirnrissig« gerade recht. Der junge Biochemiker und promovierte Neurobiologe überzeugt nicht nur durch seine fundierte und kritische Auseinandersetzung mit verbreiteten Thesen aus der Hirnforschung, sondern auch durch eine sehr unterhaltsame und mitunter humorvoll-launige Darstellung.

Beck knüpft sich zwanzig gängige vermeintliche Erkenntnisse und Behauptungen der Hirn-Szene vor. Angefangen bei »Hirnforscher können Gedanken lesen« und der These »Wird es primitiv, denken wir mit dem Reptiliengehirn«; über die Mythen »Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns« und »Wir lernen in Lerntypen«; bis hin zur angeb lichen Erkenntnis, dass »Spiegelneuronen unser Sozialverhalten erklären« und zur vermessenen Vision »Die Hirnforschung wird den menschlichen Geist erklären«. Manche dieser »Mythen« gehen gar nicht einmal direkt auf Hirnforscher zurück, sondern auf Autoren, die in einem mehr oder weniger benachbarten Feld tätig sind. So manchem kommen diese Mythen aber gerade recht, weil man damit sich selbst, seine Vorträge oder sogar ganze Kampagnen, Beratungsansätze oder Firmen vermarkten kann.

Ihnen macht Henning Beck einen Strich durch die Rechnung. Denn der Status und der aktuelle Erkenntnisstand der Hirnforschung sind wesentlich differenzierter zu sehen, die Forschungsmethoden wesentlich mühsamer und kleinteiliger und die Ergebnisfortschritte weit weniger spektakulär, als es die vielfach kolportierten angeblichen Neurothesen erscheinen lassen. Den populär veröffentlichenden Hirnforschern, die sich zur Schule

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