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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

Mehr widerständige Priester

von Thomas Seiterich vom 09.11.2012
Neue Initiativen in den Bistümern Augsburg und München

Nach dem Erzbistum München-Freising startet nun auch in der Diözese Augsburg eine Priesterinitiative. Am 19. Oktober wandten sich 43 Augsburger Welt- und Ordenspriester in einer Erklärung an die Öffentlichkeit. Die Geistlichen, darunter sechs aktive Dekane und Regionaldekane, beklagen den von Rom und den Bischöfen zu verantwortenden katastrophalen Reformstau in der katholischen Kirche. Sie werben für Kirchenreformen, denn: »Die verweigerte Erneuerung bringt unsere Verkündigung in Misskredit.« Mit ihrem Schritt wollen die 43 Priester vor allem diejenigen Katholiken ermutigen, »die sich kaum mehr in der jetzigen Form von Kirche beheimatet sehen«. Deshalb geben die Priester wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion – entgegen dem unbarmherzigen Kirchengesetz. Und sie laden konfessionsverbindende Paare zur Eucharistie ein.

Der öffentliche Ungehorsam aus Treue zum Evangelium wächst wie eine Lawine: Anfang Juni hatten rund 200 Priester im Erzbistum Freiburg öffentlich gemacht, dass sie in ihrer Arbeit von den engen, Menschen ausgrenzenden Normen des Kirchengesetzbuches bewusst abweichen. Im Bistum Passau hatten sich über zwanzig Priester in derselben Weise bereits im Februar öffentlich geäußert. In der Schweiz haben sich bereits 386 Seelsorgerinnen und Seelsorger zur Pfarrei-Initiative zusammengetan (pfarrei-ini tiative.ch). Von Würzburg aus wächst seit über einem Jahr die Pfarrer-Initiative Deutschland. Und die in der Nachkonzilszeit gegründete bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Priester- und Solidaritätsgruppen (AGP) sprach sich vor dem Mannheimer Katholikentag im Mai dafür aus, die vom Kirchenrecht verlangten Ausgrenzungen zu durchbrechen. Im Juni gründeten 600 Priester aus 55 Bistümern in den USA die kritische Association of US Priests (uscatholicpriests.org).

Auf 36 Priester und Diakone ist der Münchner Kreis inzwischen angewachsen, der Mitte Juni mit 25 Geistlichen an die Öffentlichkeit trat. Es dauerte genau eine Woche, bis die kritischen Pfarrer von Kardinal Reinhard Marx vorgeladen wurden. Die Münchner Gruppe wurde gemäß Paragraf 1339, 1 des Katholischen Kirchengesetzbuches CIC verwarnt – und arbeitet trotzdem fröhlich weiter.

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