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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

Bildteppiche mit Botschaft

von Birgit-Sara Fabianek vom 25.10.2019

Ausstellung. Als Anders Breivik 2011 eine Bombe im Osloer Regierungsviertel zündete, wurde auch ein Wandteppich beschädigt, der in der Lobby des Regierungsgebäudes hing. Der Teppich stammt von einer der interessantesten Künstlerinnen der norwegischen Moderne: Hannah Ryggen (1894-1970). Sie lebte mit Mann und Kind auf einem abgelegenen Bauernhof ohne Strom und fließendes Wasser, ihr Webstuhl war hausgemacht, und auch das Weben und die Farbherstellung aus Naturstoffen brachte sich die Künstlerin selbst bei. Obwohl Ryggen fast am Ende der Welt lebte, fand sich die politische Wirklichkeit in ihrer Textilkunst wieder. Ihre Formensprache ist ähnlich reduziert und geometrisch wie die der Bauhaus-Weberinnen, gleichzeitig sind ihre Werke gewebte Anti-Kriegs-Manifeste. Auf den Teppichen tauchen Hitler und Churchill auf, und ein äthiopischer Freiheitskämpfer schießt Mussolini einen Pfeil durch den Kopf. Nach ihrem Tod geriet die Künstlerin ins Vergessen, bis sie auf der documenta 2012 wiederentdeckt wurde. Jetzt widmet ihr die Schirn in Frankfurt eine Retrospektive.

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