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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Revolution der Sorgearbeit

von Wolfgang Kessler vom 26.10.2018
Warum engagieren Sie sich für das Netzwerk Care Revolution? Fragen an Gabriele Winker

Publik-Forum: Frau Winker, Sie sind Mitgründerin des Netzwerks Care Revolution. Was ist dessen wichtigstes Anliegen?

Gabriele Winker: Wir haben das Netzwerk Care Revolution 2014 gegründet, um die Rahmenbedingungen für entlohnte und unentlohnte Sorgearbeitende grundlegend zu verbessern. Wir setzen uns dafür ein, dass Care-Beschäftigte, etwa Pflegekräfte oder Erzieherinnen und Erzieher, besser entlohnt werden und durch mehr Personal bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Ebenso wichtig ist uns, die vielen unentlohnt Sorgearbeitenden in Familien zu entlasten. Insbesondere Frauen kümmern sich um Kinder und unterstützungsbedürftige Angehörige oder helfen Menschen in Not. Sie geraten häufig an die Grenzen ihrer Kräfte, wenn sie die hohen beruflichen Anforderungen mit familiärer Sorgearbeit verbinden möchten.

Warum sprechen Sie von einer notwendigen Revolution in der sogenannten Sorgearbeit, also in Bereichen wie Pflege, Erziehung, Gesundheit oder Fürsorge?

Winker: Weil nicht die einzelnen Sorgearbeitenden versagen, sondern das Gesellschaftssystem. Die Sorgearbeit soll vor allem eins sein: billig. Der Staat spart auf Kosten derjenigen, die für andere Menschen lebenswichtige Aufgaben übernehmen. Und in privatisierten Unternehmen werden mit Sorgearbeit hohe Renditen erwirtschaftet, anstatt dieses Geld in eine gute Pflege zu investieren. Sich um nahestehende Menschen zu kümmern ist sinnvoll und kann schön sein. Wir treten deswegen für eine Gesellschaft ein, in der statt Kostensenkung und Profitmaximierung menschliche Bedürfnisse, besonders die Sorge füreinander, im Zentrum stehen.

Warum ist eine solidarische Organisation von Sorgearbeit im Kapitalismus schwierig?

Winker: Da familiäre Sorgearbeit meist gar nicht als Arbeit gewertet wird, gibt es für diese Arbeit kaum finanzielle und zeitliche Ressourcen. In einer kapitalistischen Gesellschaft zählt nur der gewinnorientierte Einsatz von Arbeitskraft. Nur wenn nicht mehr genug qualifizierte und fitte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, werden Sorgearbeitende punktuell unterstützt: Beispielsweise durch ein Elterngeld als Lohnersatzleistung, um die Geburtenrate zu steigern. Davon profitieren allerdings gut verdienende Familien weit mehr als Geringverdienende. Wer von Hart

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