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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Modell 1 : Das kreative Heim

von Barbara Tambour vom 26.10.2018

Lindau. Im Gemeinschaftsraum im ersten Stock des Maria-Martha-Stifts in Lindau am Bodensee riecht es nach Speck und Rührei. Zwischen den drei Gruppentischen steht die Küchenchefin an einer mobilen Kochplatte, neben sich zwei Paletten mit Eiern. In der Pfanne brutzelt es. Immer mittwochs geht sie auf eine der drei Stationen: Mal presst sie Saft aus Äpfeln und Karotten, mal schnippelt sie gemeinsam mit den Senioren Gemüse für den Mittagseintopf – und kocht ihn dann auch gemeinsam mit ihnen.

Das Maria-Martha-Stift in Trägerschaft der Diakonie Lindau zeigt, dass sich auch unter den bestehenden Rahmenbedingungen vieles anders und angenehmer für die Pflegebedürftigen wie für die Pflegekräfte organisieren lässt. Da sind die »Alltagsbegleiterinnen«, die mit den Senioren die Lokalzeitung lesen, sich mit ihnen unterhalten oder eine Runde Sitzfußball spielen. Das wirkt gegen Einsamkeit und Monotonie und entlastet die Fachkräfte.

»Wenn Pflegekräfte ruhig und gelassen sind, überträgt sich das auf die Bewohner«, erläutert Marion Müller. Die 42-Jährige ist als Wohnbereichsleiterin für zwanzig Mitarbeiter auf zwei Pflegestationen verantwortlich. Sie ist überzeugt: »Geht es den Mitarbeiterinnen gut, geht es den Bewohnern gut.« Der besonders aufreibende geteilte Dienst – morgens vier Stunden, abends vier Stunden – wurde schon vor Jahren abgeschafft. Keine Pflegekraft schiebt, wie andernorts, Berge von Überstunden oder nicht genommenen Urlaubstagen vor sich her. »Wir holen niemanden aus seinen freien Tagen zur Arbeit. Wir wollen, dass sie Erholung finden«, sagt Leiterin Anke Franke. Das zahlt sich aus. »Wir haben viel weniger Krankheitstage als andere Häuser«, berichtet sie.

An den Vormittagen gibt es zahlreiche Gruppen und Angebote: Kindergartenkinder und Senioren treffen sich zum gemeinsamen Singen und Spielen. Es gibt einen Singkreis, eine Tischharfen-Gruppe, Sportangebote, Tanzstunde – auch mit Demenz und Rollator – in der örtlichen Tanzschule, ein Malatelier, eine Kreativwerkstatt und einen Lesekreis. »Wenn sechs Bewohnerinnen zum Sport sind, braucht es vormittags nicht permanent drei Kräfte auf Station«, erläutert Franke. Dann kann eine mit einer Bewohnerin ins Elektrotandem steigen und eine Runde durch Lindau fahren. Oder mit einer kleinen Gruppe einen Ausflug im Kleinbus machen. Wenn zusätzliche Begleiter gesucht

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