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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

»Die Pflegekräfte sind das wertvollste Kapital«

von Caspar Dohmen vom 26.10.2018
Über die hohe Arbeitsbelastung in den Heimen und die fatale Angst der Menschen vor dem Thema Pflege. Ein Gespräch mit der Politikerin und Buchautorin Elisabeth Scharfenberg

Publik-Forum: Frau Scharfenberg, wie geht es Pflegekräften in der Altenpflege?

Elisabeth Scharfenberg: Einzelnen gut, wenn die Arbeitsverhältnisse stimmen, den meisten aber schlecht. Viele sind innerlich zerrissen zwischen den Anforderungen an sie und den Möglichkeiten. Viele haben innerlich kapituliert, weil sie ihren eigenen ethischen Anspruch nicht erfüllen können.

Wie das?

Scharfenberg: Da ist die Beschäftigte, die auf einer Station mit vielen dementen Pflegebedürftigen arbeitet und dabei ständig das Gefühl hat, sich vierteilen zu müssen. Sie ist sich bewusst, dass sie den Menschen nicht die Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken kann, die diese brauchen. Sie erlebt schmerzlich die Einsamkeit der Pflegebedürftigen, die allein da liegen und den ganzen Tag die Wände anstarren, oder die Wut und Tränen derer, die ihre grundlegendsten Bedürfnisse nach einem Schlaganfall nicht mehr in Worte fassen können. Für all diese Menschen bräuchte sie vorrangig eines: Zeit.

Worunter leiden Pflegekräfte noch?

Scharfenberg: Eine große Rolle spielt die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit durch die Gesellschaft und Arbeitgeber.

Woran liegt das?

Scharfenberg: Jeder von uns hat Angst, abhängig zu sein, sich waschen und füttern lassen zu müssen. Viele Menschen projizieren diese Angst vor der eigenen Pflegebedürftigkeit auf den Berufsstand der Altenpfleger und werten ihn ab.

Aber müsste diese Angst vor der eigenen Pflegebedürftigkeit nicht eigentlich dazu führen, sich eine bessere Situation für die Pflegenden zu wünschen?

Scharfenberg: Leider nicht. Es ist eben einfacher, solche Dinge auszublenden, als sich damit zu beschäftigen. Wer redet schon darüber, wie er sein Alter organisieren will oder wie er sich sein Ableben vorstellt? Darüber wird doch schon in der Familie geschwiegen. Das zu einer gesellschaftlichen Debatte zu machen ist unglaublich schwer.

Haben Sie das auch während Ihrer zwölf Jahre als Pflegepolitikerin erlebt?

Scharfenberg: Immer wieder. Veranstaltungen zu Fragen, wie Menschen im Alter leben oder sterben wollen, besuchen nur wenige. Dies

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