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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Vorkämpferin

von Barbara Tambour vom 26.10.2018
Die Ärztin Kristina Hänel wurde verurteilt, weil sie auf ihrer Homepage über Abtreibungen informiert. Jetzt zieht sie vor das Bundesverfassungsgericht

Das gibt es nicht oft: Nach der Urteilsverkündung ermutigte der Richter die Verurteilte mit den Worten: »Sie müssen dieses Urteil tragen wie einen Ehrentitel im Kampf für ein besseres Gesetz.« Zuvor hatte das Landgericht Gießen die Verurteilung der Ärztin Kristina Hänel wegen unerlaubter Werbung für Abtreibungen in zweiter Instanz bestätigt. Vor knapp einem Jahr war sie von sogenannten Abtreibungsgegnern angezeigt und zu einer Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro verurteilt worden, weil sie auf ihrer Homepage darüber informiert, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Ihr Name wurde dadurch weithin bekannt, und die Diskussion über den strittigen Paragraphen 219a, der Werbung für Abtreibungen verbietet, entflammte im ganzen Land.

Seither erfährt die Gießener Ärztin viel Unterstützung – allein 155 000 Menschen haben ihre Petition an den Bundestag unterstützt, in der sie fordert, dass jede Frau das Recht haben soll, sich im Internet über Leistungen zum Schwangerschaftsabbruch zu informieren. Doch sie wird auch vielfach angefeindet. Abtreibungsgegner sprechen in ihrer Kampagne gegen sie und andere Ärztinnen von »Babycaust«, einer Wortschöpfung aus Baby und Holocaust. Das trifft die 62-Jährige mehr als persönliche Anfeindungen, denn seit Jahren engagiert sie sich für die Auschwitz-Lagergemeinschaft, die das Gedenken an die KZ-Opfer aufrechterhält, singt Klezmerlieder und tritt in Gedenkstätten auf.

Als Abtreibungsbefürworterin versteht sie sich dagegen nicht. »Das bin ich nicht. Ich bin auch keine Herzinfarkts-befürworterin«, sagt sie. »Aber wenn jemand mit einem Herzinfarkt vor mir liegt, reanimiere ich den.« Keine Frau tue sich leicht mit der Entscheidung, eine Schwangerschaft abzubrechen. Aber jede solle ein Recht haben, sich über Ärzte, die das anbieten, zu informieren.

Mit dem Thema Abtreibung kam Hänel in den 1980er-Jahren in Kontakt, als sie bei Pro Familia in Gießen arbeitete. Das war zunächst eine pragmatische Entscheidung, weil sie dort als Ärztin und alleinerziehende Mutter zweier Kinder einen Job mit geregelter Arbeitszeit gefunden hatte. Frauengesundheit und Selbstbestimmung aber wurden durch diese Arbeit zu einem Lebensthema. Es blieb aber nicht ihr einziges: Neben der Arztpraxis betreibt Hänel einen Pferdehof, auf dem sie Reittherapie für traumatisierte Kinder und Jugendliche anbietet. Sie ist Mit

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