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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: Der Körper, der ich bin

von Eva-Maria Lerch vom 26.10.2018
Zwischen Laufband und Gerätetraining findet meine Seele zu mir zurück. Betrachtungen im Fitnessstudio

Zuerst steige ich immer auf das Laufband. Ich stelle ein zügiges Gehtempo ein, trabe langsam los. Meine Beine bewegen sich erst träge, dann immer schneller, Schritt für Schritt für Schritt, auf dem schwarzen Band, das mich unentwegt vorantreibt. Bis mein Herz spürbar schneller schlägt, mein Atem hörbar wird und die vielen überflüssigen Gedanken nicht mehr mitkommen.

»Tu deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen«: Das hat die heilige Teresa von Avila gesagt. Die große Mystikerin des Mittelalters hat damit wohl gemeint, dass man sich auf dem Weg zur Erlösung nicht nur kasteien, sondern ruhig mal was Leckeres gönnen soll. Für mich selbst in meinem postmodernen Alltag musste ich aber irgendwann feststellen, dass Essen und Trinken allein meinem Körper nicht guttun. Dass mein Leib durch seine sitzende Tätigkeit am Schreibtisch und als Pendlerin im Auto kraftlos und unförmig – und die Seele darin traurig und müde geworden war.

Auf die Idee, mich in einem Fitnessstudio anzumelden, bin ich trotzdem lange nicht gekommen. Solche »Muckibuden« schienen mir eher was für testosterongesteuerte Kraftprotze und angehende Topmodels, die dort einen zweifelhaften Körperkult zelebrieren. Aber vielleicht hatte ich auch nur Angst davor, mich mit solch sportiven Leuten messen zu müssen. Dann erzählte mir eine Kollegin, dass es auch reine Frauenstudios gibt, wo ganz normale Menschen wie ich ihre Übungen machen. So hab ich es vor drei Monaten gewagt, mich da anzumelden und zu schauen, ob das eine Möglichkeit für mich ist.

Nach den ersten zehn Minuten auf dem Laufband trinke ich einen kräftigen Schluck Wasser. Dann lege ich mich kopfabwärts auf eine schräge Liege und richte meinen Oberkörper von unten nach oben auf. Dreimal, zwölfmal, fünfzehnmal. Pause. Und noch mal fünfzehn. »Bauchmuskel-Sit-ups« heißt diese Übung. Das ziept in meinem Oberbauch, ich merke deutlich, wie die Muskeln sich da anspannen, und genieße den Moment, wo sie sich wieder ausdehnen dürfen. Auf einer Infotafel im Studio kann man die Muskelstränge des Körpers studieren. Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht, wie viele es davon gibt und ob ich auch am Rücken Muskeln habe. Was für ein Wunderwerk so ein Körper doch ist!

Allmählich lerne ich auch die anderen Frauen kennen, die hier trainieren. Wir kommen trampelnd auf dem Laufband ins Gespräch, werfen uns von Gerät zu Gerät ei

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