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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

»Mit Pumpen und Kanistern«

Der Student Martin Deppert baut in den Semesterferien Duschen für Flüchtende an der serbisch-kroatischen Grenze

Als ich im Sommer im serbischen Flüchtlingslager von Sid war, einem kleinen Ort vor der Grenze zu Kroatien, wollte ich gerade einem Flüchtenden ein paar Kleider geben. Da kam mir ein anderer Flüchtender entgegen, das Gesicht voller Blut, die Nase gebrochen, beide Augen blau. Ich kannte ihn – es gibt hier etwa 150 Flüchtlinge, und mit der Zeit lernt man ihre Namen. Er erzählte mir, dass er in der Nacht versucht hätte, die Grenze zu überqueren. In Kroatien wurde er aber von der Polizei aufgegriffen und so zugerichtet – als Abschreckungsmaßnahme.

Solche Szenen sind in den Flüchtlingslagern an der serbisch-kroatischen Grenze leider kein Einzelfall. Fast jeden Tag kommen Leute mit Verletzungen von der Grenze zurück. Ein halbes Jahr war ich in Serbien, und oft war die Arbeit emotional sehr belastend. Wenn man dann wieder zurück in Deutschland ist, kommen einem die eigenen Alltagssorgen im Vergleich zu den Problemen der Flüchtenden fast lächerlich vor. Ich stehe gerade am Ende meines Studiums – nur die Bachelorarbeit fehlt noch. Deswegen hab ich mir eine Pause genommen, um etwas Sinnvolles zu tun.

Angefangen hat aber alles 2015. Als ich von den unmenschlichen Bedingungen im Flüchtlingslager Idomeni gehört habe, fuhr ich mit vier Freunden und einem VW-Bus voller Spenden dorthin. Eine Woche lang sind wir geblieben und haben Unterkünfte aufgebaut. Vor einem Jahr haben wir den Verein Rigardu gegründet. Es ist schon ein gutes Gefühl, gemeinsam mit anderen jungen Menschen Projekte auf die Beine zu stellen, die dann auch wirklich etwas bewegen. Ich habe durch die Flüchtlingsarbeit viele neue Freundschaften geschlossen – sowohl mit anderen Ehrenamtlichen als auch mit Flüchtenden.