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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ich will aber weiter zur Schule gehen!«

Lipi Akter (15) ist die Tochter eines Tagelöhners in Bangladesch. Ihre Familie will sie verheiraten, doch sie weigert sich standhaft

Vor ein paar Wochen kam mein Onkel zu uns nach Hause. Er fragte meinen Vater, warum er das bisschen Geld, das er verdient, für die Bildung seiner Tochter verschwendet. Er sagte, dass ich so bald wie möglich verheiratet werden muss, damit ich der Familie nicht weiter auf der Tasche liege. Der Onkel drängte meine Eltern sehr, und schließlich gaben sie ihm recht. Aber ich will ich nicht verheiratet werden. Ich will weiter zur Schule gehen!

Wir leben in einem Dorf im Norden von Bangladesch, mein Vater arbeitet als Tagelöhner. Oft findet er Arbeit auf den Reisfeldern, er hilft bei der Weizenernte, auf dem Bau oder beim Anhäufen von kleinen Erdhügeln, auf denen die Leute dann ihre Häuser bauen. Unser eigenes Haus ist sehr klein und ganz aus Wellblech. Darin wohnen mein Vater, meine Mutter, meine zwei Brüder, meine kleine Schwester und ich. Ich bin die Älteste und gerade 15 geworden. Wenn mein Vater Arbeit hat, können wir dreimal täglich eine warme Reismahlzeit essen, hin und wieder auch etwas Ei oder Fisch. Aber manchmal findet er keine Jobs; vor allem in der Regenzeit ist es schwierig. Dann müssen wir hungern oder Geld von Verwandten leihen.

Ich wollte immer schon zur Schule gehen, aber meine Eltern haben sich erst mal gar nicht darum gekümmert, denn wie viele andere Leute in Bangladesch finden sie es nicht wichtig, dass Mädchen etwas lernen. Ich war vielleicht sechs Jahre alt und spielte draußen vor dem Haus, als ich die Nachbarskinder zur Schule gehen sah. Da bin ich einfach mitgegangen. In der Schule fragte ich die Lehrerin, ob ich dableiben darf – und so habe ich mich selbst in der Grundschule angemeldet.

Ich hatte Glück, dass dies eine Anandolok-Sch