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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Ein Schwarm moderner Tagelöhner

von Gunhild Seyfert vom 27.10.2017
Die Digitalisierung der Arbeitswelt bietet manchen Beschäftigten beachtliche Chancen. Doch sie schafft auch neue Formen der Ausbeutung. Nötig wäre ein Sozialstaat neuer Art. Aber wie müsste der aussehen? Und wer setzt ihn durch?

Roboter, die Menschen verdrängen, Arbeitsplätze, die aufgrund neuer technischer Entwicklungen wegrationalisiert werden: Wenn es um die Digitalisierung der Wirtschaft geht, ist viel Angst und Unwissenheit im Spiel. Häufig wird von einer »vierten industriellen Revolution« gesprochen. Diese Industrie 4.0 bereitet vielen Menschen Sorge. Doch wie gerechtfertigt sind ihre Befürchtungen? Wie sieht die digitale Revolution für Beschäftigte tatsächlich aus? Zum Beispiel so:

Ein Ingenieur, nennen wir ihn Christian Özgül, ist Angestellter in einer deutschen Firma und entwickelt für sie Elektromotoren. Mittlerweile arbeitet er immer öfter in sogenannten virtuellen Teams. Zu solch einem Team gehören Kolleginnen und Kollegen aus Büros nebenan, aber auch von weit entfernten Standorten der Firma im Ausland. Entwickler, die als Selbstständige nur für einzelne Projekte von der Firmenleitung engagiert werden, sind ebenfalls darunter. Die Arbeit in der sogenannten Cloud (englisch: Wolke) bedeutet, dass Christian Özgül seinen Kolleginnen und Kollegen immer seltener persönlich begegnet. Stattdessen kommunizieren sie überwiegend im Netz. Auch fallen beim Arbeiten in der Cloud sehr viele Daten über alle Arbeitsprozesse und die Mitarbeiter an. Gibt es keinen betrieblichen Datenschutz, wird der Ingenieur schnell zu einem umfassend kontrollierbaren, »gläsernen Mitarbeiter«.

Wenn Christian Özgül und sein virtuelles Team den neuen Elektromotor fertig entwickelt haben, werden im nächsten Schritt die einzelnen Teile in einer Smart Factory produziert. Diese heißt so, weil der Fertigungsprozess mit digitaler Steuerung und hoch automatisiert abläuft – die Roboter sind vernetzt und steuern sich selbst. So messen Sensoren zum Beispiel Druck, Temperatur und Bewegung. Die Steuerung bekommt diese Informationen. Aus ihnen lässt sich schließen, wie weit schon gearbeitet wurde und was noch fehlt. Arbeitsplätze mit einfachen Tätigkeiten, die es früher in Fabriken gab, werden so wegrationalisiert.

Wenn die einzelnen Komponenten fertiggestellt sind, kommt die Montage. Auch dort hat sich viel verändert. Statt früher zehn bietet die Firma, in der Özgül arbeitet, heute über zweihundert verschiedene Modelle von Elektromotoren an. Die vielen verschiedenen Baupläne können sich die Montagearbeiterinnen und -arbeiter aber nicht merken

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