Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Bezeugen alle Religionen denselben Gott?

von Thomas Ruster vom 27.10.2017
Alle Religionen bezeugen denselben Gott. Außer Jesus Das Gotteszeugnis Jesu ist unverwechselbar.Es folgt nicht den Gesetzmäßigkeiten von Religion

Die Pluralistische Religionstheologie hat tausendmal recht, allen religiös-institutionellen Selbstbewahrungsansprüchen zum Trotz: Alle Religionen bezeugen denselben Gott, die kulturellen und persönlichkeitsbedingten Unterschiede mal herausgerechnet. Die Frage ist nur, ob das, was auf Jesus zurückgeht, überhaupt eine Religion ist.

Was ist unter Religion eigentlich zu verstehen? Religion liegt den Menschen gewissermaßen in den Genen. Sie ist irgendwo auf dem langen Weg von den ersten Hominiden bis heute entstanden. Ich stelle es mir so vor: Einer unserer paläolithischen Vorfahren erblickt im Halbdunkel des Urwalds etwas Schattiges, Dunkles, das sich zu bewegen scheint. Ein Raubtier, eine Wildkatze? Sofort steigen Urängste hoch. Wie soll er sich, unbewehrt und zum Kampf wenig befähigt, verteidigen? Aber vielleicht ist es ja auch ein Beutetier? Dann wäre Weglaufen falsch. Oder einer jener Waldgeister, von denen die Ahnen erzählen? Wer kennt sich da aus? In der Not wendet sich sein Blick zum Himmel, zum unwandelbaren Gang von Sonne, Mond und Sternen. Da oben muss etwas sein, was alles sieht, das Vertraute und das Unvertraute, das Gefahrvolle und das Harmlose. Wenn man nur wüsste, was der oder die da oben jetzt sieht?

Aber vielleicht gibt es ja auf dieser Seite der Welt einen Ort – einen Baum vielleicht, eine Quelle –, wo das Wesen, das alles sieht, anzutreffen ist. Man müsste Leute haben, die sich mit diesen Dingen auskennen ... Es verwundert nicht, dass sich diese Leute dann auch finden: Geisterseher, Schamanen, Priester, Priesterinnen, Orakel. Und schon haben wir eine Religion. Für den Soziologen und Gesellschaftstheoretiker Niklas Luhmann entstehen Religionen entlang des Schemas vertraut/unvertraut beziehungsweise »essbar/nichtessbar, gefährlich/ungefährlich, Dorf und Urwald, Land und Meer«. Religiöse Formen bilden sich aus, wenn die Unterscheidung vertraut/unvertraut in das Vertraute eingeführt wird. Dann kann man im Umgang mit dem Unvertrauten Sicherheit gewinnen. Dazu braucht es religiöse Spezialisten, die die Zeichen des Jenseits zu deuten wissen. So entstehen priesterliche Hierarchien, die die Sakralität des heiligen Ortes vor Profanierung bewahren.

Nirgendwo ist die Unterscheidung zwischen vertraut/unvertraut deutlicher als zwischen Leben und Tod. Grabstätten mit Beigaben, die auf den Glauben an ein Fortleben im Jenseits deuten, gel

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen