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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Buch des Monats: Fotos gegen das Vergessen

von Norbert Copray vom 21.10.2016
Ein Bildband über KZ-Opfer

Stefan Hanke
KZ überlebt
Hatje Cantz. 263 Seiten. Großformat. 123 s/w-Fotos. 39,80 €

Damit sich Verhältnisse wie im Dritten Reich nicht wiederholen, braucht es eine geeignete Erinnerungs- und Gedenkkultur. Nazis und Neo-Rechte wollen vergessen machen, was Rassismus, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Politikverachtung und Fanatismus schon einmal in Deutschland bewirkt haben. Zu viele agitieren mittlerweile gegen Flüchtlinge und praktizieren so – teils unbewusst – Nazi-Haltungen.

Vor 78 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November, fanden in ganz Deutschland und Österreich entsetzliche Pogrome statt. Fast alle Synagogen in Deutschland und Österreich wurden entehrt und zerstört. Der Terror gegen sogenannte »Volksfeinde« steigerte sich über sieben weitere Jahre bis hin zum Massenmord. Daran muss man denken, wenn man die Nachrichten hört, dass hierzulande Flüchtlingsheime und Moscheen angezündet und Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens bedrängt werden.

Ein vorbildliches Beispiel gibt die Stadt Regensburg, die sich »entschieden gegen Antisemitismus, jegliche Ausgrenzung, gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz« stellt. So heißt es im Buch »KZ überlebt« des Regensburger Fotografen Stefan Hanke. Darin finden sich großformatige Porträts von 120 Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager: jeweils eine Doppelseite Text und Foto. Darunter auch der gerade mit 96 Jahren verstorbene Max Mannheimer (Nachruf in Publik-Forum Nr. 19) und der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski. Der älteste KZ-Überlebende war bei der Aufnahme 105 Jahre alt.

Hanke hat die Porträts vier Jahre lang in sieben Ländern erarbeitet. Die Lebensgeschichten und Bilder hat er sorgfältig in Szene gesetzt. Berührend, bisweilen erstaunlich, immer erhellend. Rassismus, Verfolgung und deutscher Terror in Bildern und Geschichten. Aber auch Bilder und Geschichten vom Überleben, vom Neuanfang, von der Widerständigkeit und vom Glück im Unglück.

Die meisten Konzentrationslager waren als Vernichtungslager organisiert: Vernichtung durch Arbeit oder durch Gas und Erschießen. Auch nach dem Ende des Naziregimes 1945 blieben viele KZ-Opfer ausgegrenzt, zum Beispiel Sinti und Roma, Kommunisten, Homosexuelle, Farbige oder behinderte Menschen. Zwar war mit der Befreiung aus den Lag

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