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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Trampolinspringerin

von Barbara Tambour vom 21.10.2016
Anna Petri-Satter kämpft gegen Hartz-IV-Kürzungen für Alleinerziehende. Sie weiß selbst genau, wie hart das Leben allein mit Kind ist

Als Anna Petri-Satter davon erfuhr, wurde sie wütend: Alleinerziehenden, die Hartz IV beziehen, sollte das monatliche Geld gekürzt werden. Nämlich für all die Tage, die das Kind beim anderen Elternteil verbringt. Das war im Frühjahr dieses Jahres.

Die 33-Jährige ist selbst Alleinerziehende, ihr Sohn acht Jahre alt. Zwei Jahre lang hat sie selbst Hartz IV bezogen. Denn nach dem Studium war es für die Musikpädagogin aus Aachen nicht einfach, eine Stelle zu finden. »Es hat mich wahnsinnig wütend gemacht, dass etwas, das man in bester Absicht für sein Kind ermöglicht – der Umgang mit dem Vater –, dazu führt, dass man noch weniger Geld bekommen soll«, sagt Petri-Satter.

Gerade hatte sie Arbeit in ihrem Beruf gefunden – als Musikpädagogin in einer Schule und als Geigenlehrerin in einer Musikschule. Mit dem Laptop auf dem Bett verfasst sie kurzentschlossen eine Online-Petition auf der Petitionsplattform WeAct von Campact. Die Resonanz ist riesig: Schon vier Wochen später, an einem heißen Tag Ende Mai, übergibt Petri-Satter vor dem Bundestag in Berlin 39 000 Unterschriften an die Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Kerstin Griese (SPD).

Bei der Neuregelung der Hartz-IV-Sätze wird jetzt auf eine Kürzung für die Besuchstage der Kinder beim anderen Elternteil verzichtet. »Das haben wir verhindert«, sagt die 33-Jährige. Sie ist froh über den Erfolg. Aber vor allem darüber, dass sie etwas, was sie als ungerecht empfindet, nicht widerstandslos hingenommen hat. Dass sie aktiv geworden ist – obwohl sie alleinerziehend ist und sich mit zwei Jobs durchschlagen muss.

Die Musikpädagogin ist eine reflektierte Frau. Bei der Trennung von ihrem damaligen Mann war sie noch mitten im Studium, der Sohn gerade drei Jahre alt. Oft hat sie sich als alleinerziehende Studentin und als Berufsanfängerin überfordert gefühlt, Selbstzweifel nagten an ihr: »Ich schaffe das nicht.« Sie weiß: Solche Gedanken haben einen Sog, machen verzweifelt. Doch sie hat Strategien entwickelt, die ihr helfen, aus Tiefs herauszukommen. »Ich drehe das«, erklärt sie. Dafür hat sie ein Bild gefunden: Trampolinspringen. »Wenn ich ganz unten bin, dann gibt mir das die größte Kraft, wieder hochzukommen.«

Diese Kraft braucht sie: Denn die Hartz-IV-Kürzung für Alleinerziehende ist zwar nicht Gesetz gewo

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