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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Wo der Bürgermeister faire Jeans trägt

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 24.10.2014
Dortmund ist Vorreiter in Sachen ökofaire Beschaffung: Die Stadt kauft nach sozialen und ökologischen Kriterien ein

Wenn Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau im Rathaus die Bemerkung fallen lässt, er trage eine faire Jeans, überrascht das in seiner Stadt niemanden mehr. So etwas hört man von Politikern nicht oft. Sierau hingegen sagt es häufig. Auf Festveranstaltungen, bei Eröffnungen und auch mal im Fußballstadion.

In der Ruhrmetropole kaufen nicht nur Privatpersonen ökologisch und fair ein, sondern die Stadt selbst betreibt eine Strategie der Nachhaltigkeit: Im Rathaus wird fair gehandelter Tee und Kaffee ausgeschenkt, Blumenpräsente tragen das TransFair- und Reinigungsmittel ein Bio-Siegel. Kauft die Stadt Dienstkleidung für das Kantinenpersonal und die Feuerwehr oder Spielzeug für die städtischen Kindergärten, besteht sie auf Produkten, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. »Ich war immer ein entschiedener Gegner der Schnäppchenjäger- und Geiz-ist-geil-Mentalität«, sagt Sierau. »Wir müssen die Nachfragemacht der öffentlichen Hand nutzen.«

Dortmund ist Hauptstadt des fairen Handels, Fairtrade Town, Austragungsort der Messe Fair Trade & Friends, Sitz des Aktionsbündnisses zum Fairen Handel und Herausgeberin des »Kundenkompasses Fairer Handel« – viele gesellschaftliche Kräfte ziehen an einem Strang: vom kirchlichen Weltladen über Schulen bis hin zu lokalen Unternehmen und dem Einzelhandelsverband. Die Stadt hat sogar ein eigenes Agenda-Büro, das dafür zuständig ist, all die unterschiedlichen Bewegungen zu bündeln und zu vernetzen.

Häufig geht die Initiative zu »mehr öko« von Aktionsgruppen aus. Anders in Dortmund: Dort war es der Oberbürgermeister selbst, der die zahlreichen Gruppen aus der Zivilgesellschaft ins Rathaus einlud und an einen Tisch setzte. »Fairer Handel und globale Gerechtigkeit sind für ihn eine Herzensangelegenheit«, sagt Jens Vierling, der ehrenamtlich im Weltladen arbeitet. Schon in den 1990er-Jahren klebte er Transparente mit der Aufschrift »Keine Hälfte dieser Welt kann ohne die andere Hälfte überleben« auf Straßenbahnen in Dortmund.

Sich als Kommune zu verpflichten, nach sozialen und ökologischen Kriterien einzukaufen, ist jedoch kein Kinderspiel. Gerade zu Beginn musste Überzeugungsarbeit in den eigenen Reihen geleistet werden, wie Aiko Wichmann erzählt. Er arbeitet im Vergabe- und Beschaffungszentrum, das für den zentralen Einkauf d

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