Des Kaisers neue Kleider
Es ist kalt an diesen Oktobertagen in Berlin. Die jungen Bäume tragen buntes Laub in der Hiroshimastraße, auf die die Scheinwerfer der Republik gerichtet sind. Als wollten sie die Herbstfarben toppen, schlagen einem die grellen grünen, roten und weißen Farben auf dem großen Werbeplakat an der Glasfassade der Landesvertretung entgegen. »Willkommen in Nordrhein-Westfalen – Land der neuen Chancen«, steht da. Drinnen laufen die Koalitionsverhandlungen auf Hochtouren. Vor dem Gebäude hat sich eine kleine Gruppe versammelt. Lautstark demonstriert sie für den Atomausstieg. Unter ihnen ist der 26-jährige Eric Freitag. Nein, sagt er, zur Wahl geht er nicht mehr. »Politiker erzählen regelmäßig davor anderes, als was sie danach machen. Das war das, was mich den Glauben an diese Leute hat verlieren lassen.« Selbst die Bündnisgrünen hätten nur halbherzig den Atomausstieg vorangetrieben. Hat er Angst um die Demokratie? Das ist dem Informatiker mit dem kurzen Haar und dem grünen Parka zu theoretisch. »Gerade durch Nichtwahl setze ich drauf, dass es ein Umdenken gibt«, sagt er.
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