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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2020
Der Statthalter
Die Macht des Rainer Maria Woelki
Der Inhalt:

»Im Müll finden wir gute Zutaten«

von Doreen Reinhard vom 09.10.2020
Stefanie Nünchert hat in Dresden die mobile Küche Tonnja gegründet. Gekocht wird mit geretteten Lebensmitteln
(Foto: Radküche Dresden)
(Foto: Radküche Dresden)

Spätabends, nach der Arbeit im Theater, bin ich mit Kolleginnen oft zu Supermärkten gegangen. In den Mülltonnen haben wir viele genießbare Zutaten gefunden. Manchmal reichte es für eine ganze Woche. Obst und Gemüse findet man dort oft, Radieschen, Kohl, Rüben und fast immer Paprika. Das liegt an den Dreierverpackungen, die verkauft werden. Hat eine Paprika eine faule Stelle, wird gleich alles weggeschmissen. Das war 2015. Damals habe ich gelernt, wie man Lebensmittel haltbar machen kann – als Pesto oder Brotaufstrich zum Beispiel.

Gekocht habe ich schon immer gerne. Privat. Zunächst studierte ich Betriebswirtschaft, danach habe ich eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht. So kam ich auch ans Theater. In beiden Berufen wurde ich jedoch nicht glücklich. Jetzt bin ich Köchin und Gründerin eines »Tonnen-Restaurants«. Das heißt so, weil alle Lebensmittel, die wir verwenden, ursprünglich in der Tonne landen sollten.

Als ich sah, dass es in einigen europäischen Städten schon Projekte gibt, die mit geretteten Lebensmitteln kochen, wollte ich eines hier in Dresden starten. Dabei hat die Initiative Zukunftsstadt Dresden sehr geholfen. Sie fördert nachhaltige Projekte. Inzwischen sind wir drei Mitarbeiterinnen im Team, außerdem viele ehrenamtliche Helfer und Helferinnen. Aus der Idee eines Restaurants hat sich Tonnja, eine mobile Küche, entwickelt, die auf einen Fahrradanhänger montiert ist. Damit ist unser Koch-Team unterwegs: mal in einem Jugendtreff, mal in einer interkulturellen Begegnungsstätte. Wenn wir in einem Viertel im Freien kochen, stellen wir Tische auf den Fußweg und decken sie schön ein. So, hoffen wir, werden die Leute auf uns aufmerk

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