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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Ruhe in Frieden

Ich stand noch am offenen Grab, als mich ein älterer Herr ansprach: »Das haben Sie wirklich sehr schön gemacht, Herr Pfarrer.« Ich bedankte mich freundlich für das Lob und fragte: »In welchem Verhältnis standen Sie denn zu dem Verstorbenen?«

»Zu wem?« Er deutete auf den Sarg. »Ach, zu dem hier! In gar keinem. Ich kannte den Mann überhaupt nicht. Aber meine Frau ist gestern gestorben – und ich wollte mal sehen, wie Sie das so machen.«

Ich schluckte: »Mein herzliches Beileid … Richtig, die Pietät hat schon angerufen.« Er machte eine weite Handbewegung: »Sagen Sie mal: Ist das alles, was dieser traurige Ort hier zu bieten hat?«

Ich fragte ihn, wie er das meinte.

»Na, hören Sie mal, Herr Pfarrer. Das hier ist ja einfach nur ein ödes Gräberfeld. Ein banales Grab neben dem anderen. So was Primitives. Und völlig hinterm Mond. In der modernen Friedhofskultur legt man doch neuerdings Themenfelder an. Einen Schmetterlingsgarten, ein Kolumbarium, eine Wildblumenwiese, einen Pappelwald. Oder einen ›Park der Kraft‹, in dem man unter verschiedenen Kraftfeldern wählen kann. In Hamburg gibt’s schon seit 2001 einen ›Garten der Frauen‹. Der HSV und Schalke 04 haben sogar eigene Vereinsfriedhöfe!« Er seufzte: »Wie soll ich denn auf so einem traurigen Acker wie diesem die Besonderheit meiner Frau deutlich machen?«

»Na ja, im Tod sind eben alle gleich«, bemerkte ich trocken. »Nee, meine Frau eben nicht.« Der Mann wirkte fast beleidigt. »Und jetzt sagen Sie bitte nicht, dass die von der Friedhofsverwaltung hier auch so borniert sind.«

Ich fragte ihn, was er damit meinte.

»Sehen Sie, es gibt j