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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
Der Inhalt:

Buch des Monats: Dilemma des Helfens

von Norbert Copray vom 05.10.2018
Ohne die Sicht der Hilfsbedürftigen einzunehmen, ist Hilfe zweifelhaft

Thomas Gebauer/Ilija Trojanow
Hilfe? Hilfe!
Wege aus der globalen Krise. S. Fischer.
256 Seiten. 15 €

Die Not schreit zum Himmel. In Afrika, im Mittelmeer, in Südamerika, in Asien und hierzulande. Hilfe tut not, wenn es um arme, bedürftige und benachteiligte Menschen geht. Nicht wenige Menschen sind zur Hilfe bereit: direkt im Umgang mit Flüchtlingen und Entrechteten; indirekt durch Spenden. Doch es gibt »das Dilemma der Hilfe«. Das drücken Thomas Gebauer, langjähriger Geschäftsführer der Hilfsorganisation Medico International, und Ilija Trojanow, preisgekrönter Schriftsteller und Bestsellerautor, mit ihrem Buchtitel aus: »Hilfe? Hilfe!«

Ihr Anliegen ist ein »kritischer Hilfsbegriff«, denn »niemand kann ernsthaft dafür plädieren, Hilfe in Bausch und Bogen zu verurteilen und abzuschaffen«. Das Dilemma der Hilfe wurzelt oft darin, dass fast auf allen Entscheidungsebenen die Perspektive derjenigen fehlt, »um die es geht, Menschen, die um ihr Überleben kämpfen, die auf der Flucht sind, die für Veränderungen streiten«. Daher gilt: »Ihre Stimme zu hören, sie wirklich in den Blick zu nehmen ist Voraussetzung für eine Überwindung der vielfältigen Krisen der Gegenwart.«

Vor fünfzig Jahren wurde Medico International von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern gegründet als Reaktion auf den Krieg in Vietnam und die Hungerkatastrophe in Biafra. Mehr als 120 Projekte wurden weltweit und oftmals langfristig gefördert. Anlass für eine Recherchereise der Autoren, auf der sie 2017 und 2018 neuralgische Gegenden und Situationen auf vier Kontinenten in Augenschein nahmen, Gespräche führten, reflektierten. Von Pakistan, Kenia, Sierra Leone, von Mexiko, Guatemala und Nicaragua handeln die nachdenklichen Reportagen, die auch Konferenzen und Foren einbeziehen, auf denen über Hilfe gesprochen und verhandelt wird.

Viele der hochgesteckten Ziele sollen jedoch nicht durch eine gerechtere Verteilung, sondern »allein durch Wirtschaftswachstum« erreicht werden. Nicht Hilfe zur Selbsthilfe ist das gültige Motto, sondern investieren, um zu verdienen. Hinzu kommt: »Die Einsicht in die unerträgliche Ungerechtigkeit der real herrschenden Verhältnisse ist inzwischen weit verbreitet, auch bei uns, die Bereitschaft, dagegen zu kämpfen, hingegen schwach ausgeprägt.«

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