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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
Der Inhalt:

Der weite Himmel im Westen

Roman. Dieser Roman erzählt von zwei Brüderpaaren. Da sind die beiden Jungs Ike und Bobby, deren depressive Mutter ihr Zimmer nicht verlässt. Ihr Vater hat als Lehrer in Holt, einer Kleinstadt im Westen der USA, allerlei Ärger. Und da sind die McPheron-Brüder, zwei alte Junggesellen, deren Leben bisher nur aus Rinderzucht bestand. Die schwangere siebzehnjährige Victoria, die auf einmal bei ihnen wohnen soll, bringt sie ganz schön durcheinander. Die sonst einsilbigen Brüder versuchen, dem Mädchen mit ungeschickten Gesprächsangeboten und viel zu warmen Decken ein Zuhause zu geben.

Der Roman erschien in Deutschland bereits 2001 unter dem Titel »Flüchtiges Glück«, war aber nicht besonders erfolgreich. In den USA war er ein Bestseller mit dem Titel »Plainsong«, Choralgesang: ein Wortspiel mit dem Ort der Handlung, den etwas eintönigen Great Plains. »Lied der Weite« fängt die Atmosphäre treffend ein: Wenn die beiden Jungs auf ihren Pferden durch die staubige, leere Landschaft unter weitem Himmel reiten, oder wenn der alte McPheron zum ersten Mal in die Augen von Victorias neu geborenem Baby blickt und ausstößt: »Allmächtiger.« Wie schon in Kent Harufs früheren Romanen, etwa »Unsere Seelen bei Nacht«, geht es auch in diesem Buch um das Wunder, dass das Schicksal Menschen zusammenführt, die einander brauchen, aber es noch nicht wissen.

Vor allem die McPheron-Brüder scheinen einander genug zu sein und auch Ike und Bobby stellen sich in jungen Jahren bereits auf die Einsamkeit zu zweit ein: »Seit einem Monat schliefen sie zusammen in einem Bett und jetzt hatte der Ältere die Hand über den Kopf des Bruders ausgestreckt, als wolle er etwas wegschieben und sie dadurch beide retten.