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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
Der Inhalt:

»Das hier war eine gelebte Utopie«

Hambacher Wald: Martin Gaevert ist Pfarrer einer Gemeinde am Forst und beteiligt sich an den Protesten gegen die Rodung

Seit einigen Wochen schaut die Öffentlichkeit auf den Hambacher Forst, den Wald, den RWE roden will, um die Braunkohle darunter abzubaggern. Der evangelische Pfarrer Martin Gaevert kennt ihn schon sein ganzes Leben lang. Er stammt aus dem nahe gelegenen Sindorf, wo sein Vater Pfarrer war. Der 52-Jährige ist selbst Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Düren, die an den Hambacher Wald grenzt. Als dort mit der Räumung des Protest-Camps und der Baumhäuser begonnen wurde, verlegten die Pfarrer der Gemeinde ihre Sitzung in den Wald, trafen sich dort morgens um halb sieben. Die Polizei forderte sie auf zu gehen, doch Gaevert und zwei andere setzten sich einfach hin. Gaevert ließ sich von Polizisten wegtragen. Ruppig gingen die Beamten ans Werk, erzählt er. Einer seiner Daumen schmerzte noch Tage danach.

Es ist still im Hambacher Wald an diesem Dienstag Ende September. Die Polizei riegelt den Wald ab. Der Pfarrer und der Reporter dürfen ihn jedoch betreten. Die meisten Baumhäuser, mehr als sechzig, sind inzwischen niedergerissen und die Trümmer abtransportiert. Nur ein paar zerfetzte Transparente hängen in den Ästen. Gaevert war öfter bei den Baumbesetzern und kannte ihre Siedlungen im Wald: »Hier war Gallien«, sagt er und zeigt in die Bäume. »Und das dort Oakland.« Nichts ist davon übrig. Ab und an fahren mit Sand beladene gelbe Kipplaster vorbei. RWE befestigt die Wege, bereitet die Rodung von mehr als hundert Hektar Wald vor, die nach dem 14. Oktober beginnen soll. Die Arbeiten laufen, obwohl das Oberverwaltungsgericht Münster noch über eine Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz gegen die Baumfällung entscheiden muss. »So lange das Urteil nicht gesprochen ist, dürften die das eigentlich gar nicht«