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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
Der Inhalt:

»Unsere Familien sind in großer Angst«

von Barbara Tambour vom 05.10.2018
Hambacher Wald: Klaus Emmerich ist Betriebsrat bei RWE und setzt sich für den Erhalt der Arbeitsplätze ein

Als Betriebsrat bei RWE Power im Tagebau Garzweiler versuche ich, den Leuten im Kohletagebau eine Stimme zu geben. Im Moment herrscht eine bedrückende Stimmung im Betrieb, eine Mischung aus Angst und Wut, es besteht die Gefahr, dass das in Hass umschlägt.

Angst haben die Kollegen vor der Gewalt, die von den selbsternannten Robin Hoods im Hambacher Forst ausgeht. Die haben schon Wurf-Anker über die Oberleitung der Hambach-Bahn geworfen. Wenn der Zugführer der Werksbahn die nicht rechtzeitig sieht, schlagen sie ihm die Glasscheibe im Führerstand ein. Wenn die Werksbahn in der Nähe des Waldes liegenbleibt, trauen sich die Kollegen derzeit nicht, auszusteigen. Sie rufen Werksschutz und Polizei. Erst wenn die da sind, gehen sie raus und machen die Bahn wieder flott. Auf fahrende Autos von Kollegen wurden Steine geworfen, einer hat Scherben ins Gesicht bekommen und die Sehkraft auf einem Auge eingebüßt.

Auch unsere Familien sind in großer Angst um Väter, Ehemänner und Söhne. Zu der Angst mischt sich Wut. Über die selbsternannten Waldschützer wird ausgiebig berichtet. Wenn wir für den Erhalt unserer Arbeitsplätze demonstrieren, dann interessiert das keinen. Wir fühlen uns zu unrecht zu Sündenböcken gemacht.

Vorige Woche war ich mit anderen Gewerkschaftern in Halle, als dort die »Kohlekommission« tagte. Wir haben uns mit Transparenten vor den Tagungsort gestellt. Darauf stand: »Vertrauensleute der RWE Power in Solidarität mit dem Revier«. Damit wollten wir den Kollegen unsere Solidarität bekunden. Wir fahren auch nach Cottbus, wenn die Kommission dort tagt. Diese Strukturkommission soll darüber befinden, wie man Strukturen und Arbeitsplätze in den Revieren schaffen kann, um dann – wenn es sie gibt – einen geregelten Ausstieg aus der Kohle zu finden. Was für uns wichtig ist: Wir brauchen hier in der Region Arbeitsplätze, für die es sich lohnt zu arbeiten. Nicht irgendwelche Logistikzentren, die nur den Mindestlohn zahlen.

Im Unterschied zu denen im Wald sind unsere Kundgebungen friedlich. Als Gewerkschafter finde ich es richtig, dass jeder seine Meinung kundtun kann, dass man auch Massenkundgebungen veranstalten darf. Aber Recht muss Recht bleiben. Und der Wald gehört nun einmal RWE.

Manchmal wird uns Kohlearbeitern vorgeworfen, wir würden nur an unsere Arbeitsplätze, nicht aber ans Klima denken. Das stimmt nicht. Naturschu

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