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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Vom Himmel geküsst und bodenständig

Auch in dem sorbischen Ort Nebelschütz erhielt die AfD viele Stimmen. Und doch zeigt er, dass es in Sachsen auch anders geht

Wo sind wir hier? In Deutschland oder in einem Dorf, in dem man kein Wort der Einheimischen versteht? Im Jahre 1600, 2017 oder 2030? In Nebelschütz in der sanfthügeligen Landschaft der sächsischen Lausitz verliert man leicht die Orientierung. Die 1200-Seelen-Gemeinde – Fachwerkhäuser, Blumengärten, Hühnergegacker – ist fest in der Vergangenheit verwurzelt und gut auf die Zukunft vorbereitet. Eine Barockkirche auf einem grünen Hügel, restauriert in leuchtendem Rot und Weiß, ist Mittelpunkt vieler Feste der katholischen Sorben, die so merkwürdige Bräuche wie Vogelhochzeit, Osterreiten und Maibaumwerfen feiern. In der Nähe ein uraltes Fachwerktor. Graffiti-Art von Jugendlichen. Bildhauerfiguren, die den Jauerbach säumen. Inmitten dieser »strukturschwachen« Gegend ist hier von Landflucht nichts zu spüren. Die Erwerbslosigkeit beträgt etwa drei Prozent – weit weniger als der Landesdurchschnitt.

In der Gemeindeverwaltung hängen diverse Auszeichnungen, darunter der »Europäische Dorferneuerungspreis«. Damit das Leben in Nebelschütz weiter pulsiert, haben sich Bürgermeister und Gemeinderat vieles einfallen lassen, finanziert aus unterschiedlichen Fördertöpfen. Seit 2015 gibt es eine Kooperation mit der Sächsischen Umweltstiftung, die Bildungsveranstaltungen finanziert. Denn: »Ohne Orte, in denen sozialer Zusammenhalt entsteht, sterben Dörfer«, ist Bürgermeister Thomas Zschornak überzeugt. Der umtriebige 53-Jährige mit dem verschmitzten Lächeln, perfekt zweisprachig wie die meisten hier, arbeitet Hand in Hand mit engagierten Bürgern und dem elfköpfigen Gemeinderat. Obwohl dort mehrere Fraktionen vertreten sind – CDU, SPD und örtliche Vereinigungen –, werden fast alle Entscheidungen im Konsens getroffen. Also