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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Passionsspiel mit Flüchtlingen

Oper. Eigentlich seltsam, dass Bohuslav Martinus (1890-1959) letzte Oper »Die griechische Passion« nicht häufiger auf den Spielplänen der Opernhäuser auftaucht. Denn die Handlung ist hochaktuell: Während man sich in einem griechischen Bergdorf auf das alljährliche Passionsspiel vorbereitet, treffen Flüchtlinge ein. Der Hirte Manolios, der seine Rolle als Christus verinnerlicht hat, seine »Apostel« und »Maria Magdalena« versuchen den Schutzsuchenden zu helfen – gegen die Anfeindungen der Fremdenhasser. Die Figuren arbeiten sich ab an den Themen Nächstenliebe, Fremdenhass und Machtgier – und scheitern an der Herausforderung mit erschütternder Härte. Martinus Tonsprache wirkt aus heutiger Sicht konventionell, ist aber emotional direkt begreifbar. Selbst auf CD bleibt das Werk faszinierend. Der Mitschnitt beim Label Oehms vom März und April 2016 aus der Oper Graz macht in der verständlichen englischen Fassung auf das vernachlässigte Werk aufmerksam.

Die Aufführung wartet mit einem stattlichen Ensemble auf. Am Pult des Grazer Philharmonischen Orchesters setzt Dirk Kaftan auf die Kraft von Martinus musikalischen Puzzleteilen. Den folkloristischen Elementen lässt er genügend Raum, sich stilistisch zu behaupten, und in manchen melodisch sich aufschwingenden Passagen begibt er sich fast schon in die Nähe des Kitschverdachts, überschreitet aber nie die Grenze. Der Dirigent Kaftan drängt sich nicht auf, er vertraut Martinu – und das überzeugt. Aus dem wunderbaren Ensemble sticht vor allen Dingen der Charaktertenor von Rolf Romei heraus. Er stattet den Hirten Manolios, der in den Passionsspielen Jesus verkörpert, mit visionärer Strahlkraft aus, findet aber auch Zeit für Lyrisme