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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Fröhliche Kassandra

von Andrea Teupke vom 13.10.2017
Ihre Warnungen sind aktueller denn je. Jetzt erhält Margaret Atwood den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Ich muss gestehen: Ich habe Margaret Atwood viel zu spät entdeckt. Als ihr erfolgreichster Roman »Der Report der Magd« erschien, war ich den obsessiven Selbstbespiegelungen, die in den 1970er-Jahren unter dem Schlagwort »feministische Frauenliteratur« gehandelt wurden, gerade entwachsen und daher misstrauisch gegenüber Büchern, die als »frauenbewegt« galten. Dazu kam: Die Kritiken waren durchwachsen. Viele Berufsleser hielten das düstere Szenario des Romans – in Nordamerika hat eine christliche Sekte die Macht an sich gerissen und zwingt Frauen zurück in die Rolle der Gebärerin – für konstruiert und abwegig. Eine Zukunft, die nicht besser war als die Gegenwart? 1987 schien das noch unvorstellbar.

Wie wir heute wissen: ein Irrtum. Kein Fortschritt, der nicht zurückgenommen werden könnte, keine zivilisatorische Übereinkunft, die sich nicht wieder brechen ließe. Margaret Atwood war schon damals weniger naiv als ich und viele Zeitgenossen. »Feministisch«, »politisch engagiert« – ja, die 1939 geborene Kanadierin ist stets eine parteiliche und hellwache Beobachterin gesellschaftlicher Verwerfungen gewesen; dennoch kleben solche Etiketten an einem Lebenswerk, das, wie ich heute weiß, vielfältig und facettenreich ist. Gute Güte, natürlich sind die meisten – längst nicht alle! – ihrer Protagonisten weiblich. Doch wer würde im Gegenzug die Romane der Walsers und Updikes dieser Welt als »Männerliteratur« abqualifizieren?

Atwoods Werk umfasst Romane und Gedichte, die Meisterin der Dystopien kann Kinderbücher ebenso wie Kurzgeschichten; ihr gelingen in wenigen Zeilen Naturschilderungen, die einem das Herz abschnüren, und sie weiß, was Heranwachsende im Namen der Freundschaft einander an Grausamkeiten zufügen (»Katzenauge«). Atwood, die als Tochter eines Insektenforschers aufgewachsen ist, untersucht die Ängste der Kindheit so gewissenhaft wie die Schrecken des Alters – und das Ende der Liebe nicht weniger sinnlich als deren Beginn. Klug, boshaft und warmherzig seziert sie ihr eigenes Milieu, die bürgerlich-kreativen Zirkel der westlichen Welt, ohne jemals zu vergessen, wie winzig letztlich dieser Ausschnitt der Welt ist.

Mein Lieblingsroman? Vielleicht »Verletzungen«: Eine virtuos konstruierte Erzählung, in der eine krebskranke Frau erlebt, wie ihr Leben zerbricht. Dicht, präzise und unsentimental erzählt, entfaltet dieser Roman vor der brutalen Folie politischer Unruhen auf e

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