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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Anders Leben: Die Liebe und die hässlichen Gefühle

von Irene Dänzer-Vanotti vom 13.10.2017
In einem Dorf bei Limburg leben Brüder, Schwestern und Familien in der ökumenischen »Jesus-Bruderschaft Gnadenthal«. Die Gemeinschaft lebt von ökologischer Landwirtschaft und einer Spiritualität, die Menschen nicht verklärt

Am Anfang war eine Zwetschgenernte. Zu Beginn der 1960er-Jahre hatten sich ein paar Männer und Frauen entschieden, wie Geschwister Jesu zu leben, in Einfachheit und Gemeinschaft. Um bei der Ernte etwas Geld zu verdienen, kamen sie in ein winziges Dorf unweit von Limburg: Gnadenthal, so heißt der Ort tatsächlich. Als die Zwetschgen gepflückt waren, hörte die Gruppe von der Möglichkeit, dort einen Bauernhof zu übernehmen, und blieb da. So entstand die Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. Erst später erfuhr die kleine Kommunität, dass sie damit einen jahrhundertealten geistlichen Ort wiederbelebte.

Inzwischen hat die ökumenische Jesus-Bruderschaft rund einhundert Mitglieder. Es sind zölibatär lebende Schwestern und Brüder, aber auch Paare und Familien. Einige leben in dem Dorf, andere in weiteren Niederlassungen in Israel und Kamerun.

Fährt man auf der A3 von Frankfurt nach Köln, sind es vom Rasthaus Bad Camberg nur eineinhalb Kilometer bis zu dem ruhigen Tal mit seinen grünen Hügeln, einer Kirche, einigen Wohnhäusern und einer Buchhandlung. Ein paar Hundert Meter weiter, den Hügel hinauf, steht ein Gästehaus und eine zweite, moderne Kirche. Dort oben wohnen auch die Brüder. Hinter Büschen verborgen liegt das Wohnhaus der Schwestern. Die Gemeinschaft betreibt hier zwei Seminar- und Gästehäuser, eine ökologische Landwirtschaft und einen Klosterladen mit Café. Alle Mitglieder bemühen sich, die verbindlichen Gebetszeiten und Gemeinschaftsrituale mit ihrer persönlichen Freiheit auszubalancieren. Dazu gehört auch die Bereitschaft, mit Enttäuschungen umzugehen. Und eine Religiosität, die Gott nicht freundlicher machen will, als er zu sein scheint. Zur Gnadenthal-Geschichte gehören auch ein paar Morde – erfundene allerdings.

Eine der Einnahmequellen der Jesus-Bruderschaft ist die ökologische Landwirtschaft. Im Stall stehen vierzig Kühe, auf der Weide eine Schafherde. Die Tiere werden gemolken, geschoren und irgendwann geschlachtet, sie dienen aber auch der Jugendbildung. Jedes Jahr kommen 2700 Jugendliche bei Klassenfahrten oder in Konfirmandengruppen dorthin und sehen mit eigenen Augen, wie die Milch aus der Kuh kommt, bevor sie in die Tüte gelangt, und wo die Wolle wächst, bevor sie zum Pullover wird. Zugleich sind die Aufenthalte auf dem sogenannten »Nehemia-Hof«, der Jugendbildungsstätte der Bruderschaft, für viele Jugendliche eine ungewohnt konkr

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