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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Buch des Monats: Demokratie stark machen

von Norbert Copray vom 13.10.2017
Populismus bei sich und anderen widerstehen

Felix Ekardt
Kurzschluss
Wie einfache Wahrheiten die Demokratie untergraben. Ch. Links. 192 Seiten. 18 €

Simple Welterklärungen, klare Sündenböcke und einfache Lösungen haben weltweit Konjunktur. Mit seinem Buch »Kurzschluss« widersetzt sich Felix Ekardt »einfachen Wahrheiten« sowie Mustern, die dafür sorgen, sie zu erzeugen und zu verbreiten. Der Philosoph, Soziologe und Jurist sieht »latent die Neigung zu vereinfachten, verzerrten und bequemen Weltsichten in uns«. Ekardt ist überzeugt: So einfach gestrickt werden wir die »Probleme einer globalisierten Welt nicht lösen, sondern dramatisch scheitern«. Er zeigt und beweist, »wie einfache Wahrheiten die Demokratie untergraben«. Die Demokratie hat »keine Chance«, wenn wir Uneindeutigkeit und Komplexität nicht aushalten und unser Heil in unterkomplexen Deutungen und Lösungen suchen.

Das Faszinierende an Ekardts Buch ist, dass es vereinfachendes Denken und Sprechen analysiert und auflöst und zugleich selbst gut verständlich den komplexen Sachverhalt darstellt, ohne zu vereinfachen. So wendet Ekardt die Prüfung von einfachen Wahrheiten und Lösungen auch auf sein eigenes Buch an. Selten ist ein Buch derart selbstkritisch reflektiert. Daher werden schon eingangs die leichtfertigen Erklärungen für einfache sogenannte Wahrheiten, wie Globalisierung, Digitalisierung, Automatisierung, aufgespießt, ohne die dahinterstehenden Motive und Sorgen einfach abzutun.

Populismus gibt es von rechts wie von links, von oben wie von unten, aus der Mitte der Gesellschaft heraus ebenso wie durch Institutionen. Und einfache Wahrheiten finden sich auch jenseits dessen, was heute als Populismus bezeichnet wird. Ekardt verdeutlicht das überzeugend an Debatten über Klima- und Energiewende, über die Grenzen des Wachstums, über die Reaktion auf Terroranschläge und über Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung.

Ekardt spielt präzise durchdacht Erkenntnisse der Verhaltensforschung ein: Wir Menschen neigen naturgemäß zu einfachen Wahrheiten und Lösungen. Ekardt zeigt, wie wenig Wissen und Werte unser Verhalten beeinflussen und wie stark die Macht der Gefühle ist. Seine Einsicht: »Unsere Tendenzen zu Bequemlichkeit, Gewohnheit, Verdrängung, anekdotischem Wissen, Unterkomplexität, Neigung zu Sündenböcken, Gruppendenken oder Desinteresse an raumzeitlich komplexen Problemen« werden n

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