Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

Unauslöschliches Trauma

Roman. Der Psychiater Otto Kadoke fährt nachts durch Amsterdam und überzeugt Selbstmörder vom Leben. Obwohl er manchmal selbst nicht ganz daran glaubt. Aber er wird gebraucht – nicht nur von den suizidgefährdeten Menschen, sondern auch von seiner inzwischen pflegebedürftigen Mutter, die er über alles liebt und bewundert. Keine Frau reicht an sie heran. Das Sterben fällt der kampflustigen Jüdin schwer, denn sie hat ein halbes Dutzend Vernichtungslager überlebt. Zwischen all diesen Notschreien versucht Kadoke seine eigene Stimme zu hören.

In Arnon Grünbergs Roman »Muttermale« ist alles anders: Bedeutungen verkehren sich, Grenzen lösen sich auf, eherne Urteile verlieren ihre Geltung. Was ist Leben? Nur das Synonym für »Nicht-Sterben«. Was ist Liebe? Wenn der Sohn seiner alten Mutter die Beine rasiert und sich ihre Attacken klaglos anhört: »Wer soll dich schon lieben, wenn ich mal tot bin?« Wer ist die Mutter? Der Vater nach einem posttraumatischen Rollenwechsel. Was ist ein Trauma? Etwas, das auf jeden Fall an die nächste Generation weitergegeben wird: »Wir sind alle die Fortsetzung von Traumata anderer Leute, Sie, ich – wir sollten aufhören zu glauben, dass es unsere eigenen sind, die uns in unerwarteten Momenten heimsuchen wie Geister.«

Arnon Grünberg, wohl der bekannteste niederländische Schriftsteller, Dichter und Journalist, hat mehrere Rechercheaufenthalte in geschlossenen Anstalten hinter sich. Letztes Jahr starb seine Mutter. Um bei ihr zu sein, zog er für eine Zeit aus New York wieder nach Amsterdam.

Sein Roman, mit dem die Frankfurter Buchmesse dieses Jahr eröffnet werden wird, enthält also viel Realität. Außerdem Witz und kluge, neue Fr