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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

Nur keine Hetze

von Josefine Janert vom 07.10.2016
Beim »Schulfrei-Festival« in Brandenburg treffen sich Menschen, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken

Sie tragen bunte Hosen, Rastalocken und ihre Babys in Tragetüchern. Die größeren Kinder lassen sie ungestört spielen, so lange, wie diese wollen. Nur keine Hetze. Sie klagen über den Leistungsdruck, die die Schule den Kindern auferlege, über Mobbing und Gewalt und über Lehrer, die von Klassen mit 35 Schülern und einem hohen Anteil an Migranten überfordert seien. Sie sagen Sätze wie »Wenn Kinder in der Schule widersprechen, wird das als Krankheit bezeichnet«. Einige von ihnen haben sich beim Einwohnermeldeamt abgemeldet, leben im Untergrund, um sich den Behörden zu entziehen. Es ist das Festival der Trotzköpfe, der Menschen, die ihre schulpflichtigen Kinder nicht in die Schule schicken. Oder die zumindest darüber nachdenken.

Zum »Schulfrei-Festival« haben sich Anfang September einige hundert Familien im brandenburgischen Dorf Klein Leppin versammelt. Seit 2013 findet das Festival jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Die Szene ist gut vernetzt, auch um sich über den Umgang mit Ämtern auszutauschen.

Zwischen 1000 und 3000 solcher Kinder soll es in Deutschland geben. Die Eltern riskieren Buß- und Zwangsgelder und dass ihnen ein Gericht das Sorgerecht entzieht. Diese Strafe, sagt die Lehrerin Karen Kern aus Markdorf am Bodensee, werde aber nur selten verhängt.

Mit Behörden kommuniziere er nur noch über den Anwalt, erzählt der Vater eines Neun- und eines Elfjährigen. Seinen Namen will er nicht nennen – aus Angst vor »Repressalien«. Seine Söhne unterrichtet der Freiberufler selbst. »Als ich Kind war, war die Schule anders«, redet der Mann sich in Rage. Geschlechterrollen seien nicht infrage gestellt worden. »Heute steht schon im Grundschul-Lehrbuch, dass Paul und Martin heiraten. Das ist nicht meine Vorstellung von Familie.« Dass es Schwule gibt, sollten seine Kinder schon erfahren, aber erst später.

Während der Mann ausgiebig schimpft, bleibt Karen Kern gelassen. Die 52-Jährige gehört zu den Organisatoren des »Schulfrei-Festivals«. Dem traditionellen Bildungssystem hat sie schon lange den Rücken gekehrt. »Die Lehrer nehmen die Schüler nicht ernst«, meint sie. »Mein Sohn hat gesagt: Bei den Lehrern wird das Zuspätkommen nie bestraft, bei den Schülern immer.« Manche Kinder mache die Schule krank, Kern erzählt von chronischem Kopf- und Bauchweh, Tränen, Angst. Weil mehrere ihrer Kinder mit der Schule nicht zurechtkamen, zogen die Kerns für zweiei

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