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Die Marionettenspieler

Wenn der Westen alles Gute dieser Erde für sich beansprucht, was bleibt dann noch für den Rest der Welt? Überlegungen eines jungen türkischen Philosophen
von Firat M. Haciahmetoglu vom 07.10.2016
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Ich sitze auf einem Platz in einer europäischen Kleinstadt. Es ist ein warmer Herbsttag, um mich herum sind überall Menschen in den Bars und Cafés, die Stimmung ist gelöst und friedlich. Zu meiner Rechten sitzt eine indische Familie, am Tisch daneben ein junges Paar, das sich gelegentlich küsst, weiter hinten eine Gruppe junger Männer, die Cola trinken und rauchen. Dann gehen zwei Mädchen in kurzen Hosen vorbei, die eine weiß, die andere schwarz. Lachen liegt in der Luft, ein Gewirr verschiedener Sprachen. Und ich frage mich, warum die Szene, die ich gerade beobachte, so nicht möglich wäre in dem Land, in dem ich geboren bin. Gedanklich verlege ich diesen Platz in eine Kleinstadt in der Türkei. Ich stelle mir vor, dass viele diesen Platz ganz anders beurteilen würden als ich: Für sie bestünde er aus Fremden, die eine andere Sprache sprechen. Aus Frauen, die meinen, tragen zu können, was sie wollen. Aus Pärchen, die glauben, sich öffentlich zu küssen, sei normal. Aus Menschen, die einfach anders sind.

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